Ich höre auf zu reiten

Ich höre auf zu reiten

Ich reite verdammt gerne. Seit meiner Kindheit. Aber wenn ich recht überlege, dann war das Reiten eigentlich nie der Grund dafür, mit Pferden zusammen zu sein. 

In diesem Blogartikel geht es um die Frage:

  • Müssen wir tatsächlich reiten?
  • Welche Möglichkeiten gibt es in Punkto Bodenarbeit
  • Warum wir unsere Pferde nicht mehr reiten können

Wie alles begann

Seit meinem fünften Lebensjahr reite ich. Die Faszination für Pferde lässt mich seit mehr als 33 Jahren nicht mehr los. Vermutlich hat alles schon viel früher angefangen. Ich habe als Kind unzählige Pferde gezeichnet. Immer und immer wieder. Ich hatte das riesige Glück direkt neben einem Trakehnergestüt groß zu werden. Stundenlang habe ich sehr zum Leidwesen meiner Mutter auf dem Misthaufen verbracht. Nicht weil ich eine olfaktorische Leidenschaft für Pferdemist entwickelt hatte, sondern weil man vom Misthaufen aus die Pferdeweiden überblicken konnte und auch in die kleine Reithalle schauen konnte. Fasziniert habe ich bei den Reitstunden zugesehen oder wenn die Jungpferde auf der Weide tobten. 

Das Zusammensein mit Pferden war am Wichtigsten. Das Reiten war eigentlich Nebensache. Trotzdem kann ich mich noch ganz genau erinnern, wie sich die Bewegungen der Stute „Kaldea“ angefühlt haben. Das erste große Pferd, auf dem ich meine erste richtige Reitstunde hatte. Ein Abbild Kaldeas sollte mir später wieder begegnen. Als ich das Buch „Reiten auf Kandare“ von Bent Branderup viele Jahre später in den Händen hielt, war es doch fast Kaldea, die auf dem Titelbild in einer wunderbaren Levade vom Cover strahlte. Wie ich später herausfand, war die Stute Kaskade, genannt „Miss Ellie“ tatsächlich über die Stutenfamilie der Kassette mit Kaldea verwandt gewesen. Die Pferdewelt gleicht doch einem Dorf. So habe ich auch mein kleines „gallisches Dorf“ gefunden – in der Familie rund um die Akademische Reitkunst wurde ich fündig. 

Seit 2008 beschäftige ich mich intensiv mit der Akademischen Reitkunst nachdem ich auf meinem Weg mit den Pferden nach den unbeschwerten Jahren in meiner Kindheit und Jugend mit den Trakehnerpferden dann doch auch einige Sackgassen und unüberwindbare Engstellen entdeckt hatte. Ich habe in der Akademischen Reitkunst nicht nur das Reiten neu entdeckt, sondern auch eine ganz andere Welt kennen lernen dürfen, die ich heute auch an viele Pferde und Menschen als Trainer weiter geben darf. 

Am Boden der Tatsachen

Als ich die Akademische Reitkunst kennen lernte, lernte ich auch die Arbeit am Boden kennen. Heute haben wir viele verschiedene Facetten am Boden zur Verfügung. Was sich hier in den letzten Jahren der Akademischen Reitkunst getan hat, versetzt mich noch heute ins Staunen. Ein weiterer Pluspunkt der Gemeinschaft innerhalb der Ritterschaft ist der offene und wertschätzende Umgang miteinander und der Austausch, von dem wir alle profitieren. So habe ich zu Beginn primär die Handarbeit neben dem Pferd kennen gelernt, damals aber noch nicht einhändig geführt mit der Hand über dem Widerrist, sondern beidhändig, eine Hand nahe am Trensenring, oder am Kappzaum, eine Hand am Widerrist. Mittlerweile gibt es Bodenarbeit von vorne geführt in der Frontposition, die eben schon angesprochen Handarbeit von innen und von außen geführt, die sehr differenzierte Art zu Longieren im Fortgeschrittenen Longieren, wo von der Arbeit mit den Seitengängen bis zur Levade der Fantasie quasi keine Grenzen gesetzt sind. Weiter geht es mit dem Crossover, der von der Bodenarbeit, zur Handarbeit, zum Longieren auch noch die Möglichkeit eröffnet, einen fließenden Übergang in die Langzügelposition zu arbeiten und daraus wieder entweder innen oder außen neben dem Pferd weiter zu arbeiten.

Mehr über den Crossover kannst du hier nachlesen!

Schönheit liegt im Auge des Betrachters

Seit Mai 2017 begleitet mich mein junger Lipizzaner Conversano Aquileja genannt Konrad. Mit Konrad war der Start wunderschön. Neben ihm muss ich einfach immer strahlen und glücklich sein. Konrads selbstbewusstes, geerdetes Auftreten, sein unheimlich sozialer Umgang mit anderen Pferden hat mich in den Bann geschlagen – und ebenso hat sich der Umgang in der Arbeit gestaltet. Keine Aufgabe war Konrad zu schwer, immer war er mit voller Energie und Eifer dabei, wehe nur, es wurde langweilig. Ich habe es sehr genossen mein Pferd in der Boden- und Longenarbeit genau zu beobachten. Konrad ist vom Stockmaß her das „kleinste“ meiner Pferde. Er ist zwar noch etwas gewachsen, trotzdem geht sich mit ihm Handarbeit besser aus, als mit meiner großen Pina, bei der ich Mühe habe, die Zügelhand, einhändig geführt über dem Widerrist zu halten. Konrad fand jedoch Longieren weitaus besser – ich hatte auch lange Zeit das Gefühl, dass es ihm besser gefiel mich zu spiegeln und parallel mit etwas Abstand zueinander zu tanzen. Wenn etwas gut gelungen ist, hat er sich stolz aufgerichtet und überprüft, ob es wohl genug Publikum gibt. 

Erst zwei Jahre später hat er wirklich Begeisterung für die Handarbeit gezeigt. Handarbeit ist ein tolles Tool, um das Pferd auf das Reiten vorzubereiten. Mit dem Reiten halte wir es nach wie vor sehr kurz und selten. Ich kann die wenigen Reiteinheiten tatsächlich noch abzählen und bin nach wie vor sehr gerne am Boden unterwegs. Dort gelingt die Kommunikation auf Augenhöhe besser. Aus dem Sattel heraus finde ich ein unmittelbares Lob und vor Freude „Ausrasten“ wenn etwas richtig toll gelingt noch immer schwer – vor allem, wenn es darum geht den Flow zu erhalten. Ich kann Konrad freilich spüren und heute, wo ich diese Zeilen schreibe hatten wir wieder ein sehr schönes Reiterlebnis miteinander. 

Vielleicht ist es aber auch diese innige Beziehung, die wir vom Boden aus geschaffen haben, die in mir die Frage aufkommen hat lassen – ob ich auch ohne Reiten glücklich wäre. Die Antwort lautet klar und deutlich Ja. Aber das hat auch sehr viel mit dem Feedback zu tun, das mir Konrad gibt. Auch unser Youngster Amena zeigt sich begeistert und gibt mir und meiner Kollegin Julia Kiegerl bei der Arbeit ein unheimlich schönes Feedback. 

Muss man wirklich Reiten? 

Natürlich muss man nicht. Ich reite für mein Leben gerne, aber trotzdem kam mir im heurigen Jahr immer wieder die „Sinnfrage“. 

Und in einer Sinnkrise kann man gerne bei den „Besten“ nachschlagen: 

„Das edle Pferd ist nicht nur das zum Reitdienst geeignetste Tier, sondern das am vielseitigsten begabte Geschöpf in der ganzen Tierwelt“.

Gustav Steinbrecht

Gustav Steinbrecht sagt also, das Pferd sei am geeignetsten, um darauf zu reiten. Aber wie sieht es tatsächlich mit der Eignung des Pferdes als Reitpferd aus? 

Spannend ist freilich immer die Auseinandersetzung mit Biomechanik und Anatomie. 

Fakt ist: Wir sitzen auf einem Tier, das stark vorhandlastig ist. Fakt ist, wir sitzen auf einem Pferd, das über kein Schlüsselbein verfügt. Fakt ist, der Brustkorb sackt mit der zusätzlichen Belastung durch das Reitergewicht stark ab. Und daher ist Fakt, dass wir dem Pferd eine ordentliche Ausbildung  zukommen lassen müssen, damit es uns überhaupt (er)trägt. 

„Die richtige Dressur ist daher eine naturgemäße Gymnastik für das Pferd, durch die seine Kräfte gestählt, seine Glieder gelenkig gemacht werden. Durch sie werden die kräftigen Teile zugunsten der schwächeren zu größerer Tätigkeit angehalten, diese durch allmähliche Übung gestärkt, und verborgene Kräfte, die aus natürlichem Hang zur Bequemlichkeit vom Pferd zurückgehalten werden, hervorgerufen, wodurch endlich volkommene Harmonie im Zusammenwirken der einzelnen Glieder mit ihren Kräften entsteht, die das Pferd befähigt, auf die leisesten Hilfen seines Reiters solche geregelten und schönen Bewegungen andauernd und zwanglos auszuführen, die es aus eigenem Antrieb nur in Augenblicken der Erregung flüchtig zeigt.“

Gustav Steinbrecht

Gustav Steinbrecht geht also davon aus, dass wir Pferde reiten können – und zwar auch jene, die körperlich nicht ideal gebaut sind: 

„Der Reiter muss daher seine Kunst hauptsächlich auf schwache und ungünstig, ja fehlerhaft gebaute Pferde verwenden, und bei diesen die Dressur zur Heilgymnastik erheben. Wie diese Kunst in unserer Zeit so große Anerkennung gefunden hat, dass Verkrümmungen des menschlichen Körpers oder krankhafte Zustände einzelner Glieder nicht durch eiserne Maschinen, sondern nur durch entsprechende gymnastische Übungen geheilt oder vermindert werden können, so kann der Bereiter bei recht klarem Verständnis seiner Kunst viele natürliche Mängel und Übelstände beim Pferd beseitigen und bei solchen Fehlern und Gebrechen, die ihm durch Missbrauch oder Unverstand früherer Reiter beigebracht sind, oft wahre Wunder wirken, indem er sie durch entsprechende Richtung des Pferdekörpers oft gründlich zu heilen vermag, nachdem alle tierärztliche Helfe vergebens angewendet war.“

Gustav Steinbrecht

Gustav Steinbrecht beschreibt also, was möglich ist durch profunde Ausbildung. Ausbildung muss nicht unbedingt vom Sattel aus stattfinden, die Basis wird ohnehin bestenfalls vom Boden geschaffen. Bodenarbeit wirkt sich effektiv auf den Pferdekörper aus – aber auch auf die Menschen

Die Auswirkungen der Bodenarbeit

Es gibt da zwei Seiten – einerseits höre ich immer wieder von Schülern, der Rest der (vorwiegend reitenden) Stallgemeinschaft würde das „Laufen vor dem Pferd“, das „zu Fuß gehen“ einfach nicht verstehen. Ein Pferd sei doch zum Reiten da? Andererseits gibt es Schüler, die ihr Pferd nicht mehr reiten – entweder soll das Pferd aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr geritten werden oder aber der Reiter darf aus physischen Gründen nicht mehr in den Sattel steigen. 

Für beide Fälle bietet die Bodenarbeit mit ihren vielfaltigen Facetten eine wunderbare Möglichkeit, miteinander eine Kommunikation zu entwickeln und zu tanzen. Und in manchen Fällen wurde durch gezielte Bodenarbeit ein Comeback im Sattel sogar wieder möglich. Manche Zweibeiner verzichten dann aber sogar aufs Reiten. Sie haben so viel Freude an der gemeinsamen Sprache mit dem Pferd gefunden, so macht das „gemeinsame Projekt“ am Boden so viel Freude, dass sie sich trotzdem nicht in den Sattel schwingen. Ganz böse Zungen würden dann behaupten, sie trauten sich nicht mehr zu reiten. Na und? Und selbst wenn. Wer schreibt uns denn vor, dass man ein Pferd unbedingt zu reiten habe? Und noch spannender die Frage: Warum muss man eine solche Entscheidung überhaupt kommentieren? 

„Was macht die Entscheidung eines anderen mit mir, warum „muss“ ich hier meine Meinung kund tun? Spricht die Entscheidung des anderen, nicht zu reiten einen Punkt bei mir selbst an, der mir offenkundig nicht bewusst war?“

Ich frage mich oft, wie die Ausbildung meiner Stute Barilla verlaufen wäre, hätte ich auf meinen aktuellen Werkzeugkoffer der Akademischen Reitkunst aus der Bodenarbeit zurück greifen können, die eben 2008 bei weitem noch nicht so detailliert war, wie heute. Ich schaue mit Vorfreude in die Zukunft, denn es kommen sicherlich noch einige Variationen und Möglichkeiten hinzu. 

Ich weiß, dass ich jedenfalls mit gutem Gewissen in den Sattel meiner Pferde steigen darf (mit Ausnahme Amena, der ist beim Schreiben dieser Zeilen gerade mal drei Jahre alt und wird sicherlich noch mehr als ein Jahr am Boden der Tatsachen verbringen) – aber nicht muss. Und ich freue mich, dass ich heute auch bewusster über das Reiten nachdenke. 

Seit 1986 sitze ich regelmässig im Sattel – und das habe ich bisher eigentlich noch nie in Frage gestellt. 

Reiten = Verpflichtung

Als Reiter ist es jedoch meine Pflicht, mich mit den physischen und mentalen Begebenheiten auseinander zu setzen. Das bedeutet in erster Linie Wert zu legen auf eine gute Haltung. Eine Haltung, in der das Pferd seiner Natur entsprechend Bewegungsmöglichkeiten vorfindet. Das Pferd verbringt in der Natur zahlreiche Stunden mit der Nase am Boden. Es sucht nach Nahrung und legt eine gehörige Wegstrecke zurück. Es lebt im Herdenverband und darf seine sozialen Kontakte auch ausleben. Meine Pferde leben ausnahmslos in Gruppenhaltung. Sie befinden sich mehr als 12 Stunden täglich auf einem Paddock Trail mit ganzjährig zugänglichen Allwetterwiesen und Weiden im Sommer. Haltung im Privatleben bedeutet eben nicht nur die Haltungsform (Box, Paddock, Trail, Koppelgang) gut durchdacht auszuwählen, sondern auf die natürliche Körperhaltung des Pferdes anzustimmen. 

Dazu gehört weiter ein Verständnis für Biomechanik, Verständnis für Psychologie und Pädagogik, sowie ein laufender Aktualitätsbezug. Erst vor kurzem bin ich in sozialen Medien über eine Studie gestolpert, die sich mit der „progressiven Rückbildung der Nackenplatte beim domestizierten Pferd“ beschäftigt hat. Kurz gesagt: Bei der Studie wurden 88 domestizierte Pferde sowie weitere 10 Tiere aus der Familie der Equiden (Esel, Zebra) seziert. Das Resultat: Die Nackenplatte ist nicht mehr so, wie in den Lehrbüchern skizziert zu sehen. Für den Reiter insofern interessant, da der Nackenplatte eine wesentliche Funktion hinsichtlich der Tragekompetenz des Pferdes zugeschrieben wird. 

Man darf gespannt sein, ob sich unsere Kenntnisse über das Reiten in den nächsten Jahren zunehmend in die Richtung entwickeln, deutlich weniger häufig in den Sattel zu steigen. Müssen wir unser Reiten anpassen oder kann die Zucht wieder zu den ursprünglichen Pferdetypen zurück finden, deren Biomechanik maßgeblich bei der Verfassung noch heute aktueller Reitvorschriften beteiligt war? 

Wenn wir uns viele Fragen stellen, dann reiten wir vielleicht nicht immer Einfacher – aber möglicherweise bewusster – und wir entwickeln uns stetig weiter 🙂 

PS: Wie geht es dir beim Lesen dieser Zeilen? Hat du dir diese „Sinnfrage“ auch schon öfter gestellt? Ich freue mich über dein Feedback per Mail oder du hinterlässt mir hier einen Kommentar. 

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Noch Fragen? Ja bitte!

Noch Fragen? Ja bitte!

Uns Reitern ist eine Sache wohl bewusst. Ein Leben reicht wohl nicht aus, um Reiten zu lernen. Trotzdem lassen wir uns nicht entmutigen und stellen mitunter fest – unser Gegenüber plagen dieselben Fragen.

Seit August ist mein Newsletter wieder aktiv und was mich freut vor allem interaktiv.  Eine Leserin aus der Schweiz hat mir zahlreiche Fragen gemailt, die ich in der heutigen Ausgabe meines VLOGS sehr gerne beantworte.

10 spannende Fragen wurden an mich geschickt – angefangen vom optimalen Start, zur Schulung des Reitersitzes, zu Ausbildungskonzepten, Wiederholungen, dem Streben nach Perfektion und Fragen, die uns als Ausbilder unserer Pferde beschäftigen – all diese Fragen habe ich im folgenden Video beantwortet

Viele Fragen, die meine Schüler häufig beschäftigen, also hautnah aus der Praxis beantworte ich auch laufend in meinem

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Du kannst natürlich auch gerne ein paar Fragen an mich schicken für meine nächste VLOG Ausgabe!

Alles Liebe und Reite Einfach 😉

Bodenarbeit mit den Alten Meistern

Bodenarbeit mit den Alten Meistern

Nach der Grunderziehung kommt das Pferd in die Grundschule. Bodenarbeit, Longieren, erste Gymnastik – welche Ideen hatten die alten Meister dazu? Und wie würden sich Antoine de Pluvinel (1555-1620), François Robichon de la Guérinière (1688-1751) und Gustav Steinbrecht (1808-1885) zu diesem Thema in einem heutigen Gespräch untereinander austauschen? Für die Ausgabe der Feinen Hilfen, Nummer 17 habe ich die alten Meister zu einer fiktiven Gesprächsrunde gebeten:

Steinbrecht: Meine Herren, immer wieder werde ich gefragt, wie die Grundausbildung eines jungen Reitpferdes vonstattengeht. Dabei ziele ich in erster Linie auf die Erarbeitung einer gemeinsamen Kommunikation. Das junge Pferd muss die Art der Verständigung erst erlernen und mit den Hilfen bekannt gemacht werden, bevor man von ihm überhaupt Gehorsam fordern kann. Gewohnheit, Gewöhnung und Wiederholungen sind hier wichtige Maßeinheiten bei der Ausbildung, die sinnvollerweise zuerst als Bodenarbeit zu beginnen hat. Die Anforderungen müssen sich meiner Ansicht nach ganz deutlich in Grenzen halten und alle Veranlassungen, die zum Widerstand und zu Widersetzlichkeiten führen könnten, vermeiden, bis das Pferd die Wünsche des Reiters verstanden hat.

Pluvinel: Ich sehe, wir sind uns in der Art der Ausbildung sehr ähnlich, mein lieber Steinbrecht, da wir den Kopf des Pferdes in allererster Linie ansprechen.

Steinbrecht: Genau, denn die gemeinsame Sprache, die wir in der Bodenarbeit erarbeiten, dient dazu, die Einwirkung auf das Pferd zuerst vom Boden und später vom Sattel aus zu verfeinern. Stärkere Hilfen sollten so möglichst selten werden.

Guérinière: Ebenso wie übertriebene Hilfsmittel und Strafen eingesetzt werden sollten. Für die gemeinsame Erarbeitung der Kommunikation sind Kappzaum, Longe und Peitsche die ersten und einzigen Hilfsmittel, die man auf einem ebenen Platz benutzen darf, um jungen Pferden, die noch nicht geritten werden, die Grundlagen beizubringen.

Steinbrecht: Ich stimme Ihnen zu, Monsieur. Man longiere das junge Pferd zunächst und lege ihm aber auch noch einen einfachen Gurt und eine Wassertrense an. Man lasse das Pferd auf beiden Seiten in Bewegung kommen. Dabei bin ich aber nachsichtig, was das Einhalten einer genauen Gangart oder die Linie des Zirkels anbelangt. Noch an keine Biegung seines Körpers gewöhnt, wird es stets das Bestreben haben, in gerader Linie den Zirkel zu verlassen und daher bald nach innen bald nach außen abweichen. Diesem Bestreben muss die übereinstimmende Arbeit von Longe und Peitsche in ruhiger Weise entgegen wirken, bis es gelernt hat, sichere Anlehnung an die Leine zu nehmen und deren Führung Folge zu leisten.

Guérinière: Ich erinnere mich, dass Sie auch hier zwei Personen für die Arbeit mit dem jungen Pferd empfehlen. Einer davon hält die Longe, der andere die Peitsche. Derjenige der die Longe hält, muss im Mittelpunkt des Kreises stehen, auf dem er das Pferd schließlich traben lässt. Der Peitschenführer folgt dem Pferd von hinten und treibt es durch leichte Schläge auf die Kruppe – besser aber auf den Boden – vorwärts. Ist ein Pferd 3 bis 4 Mal auf einer Hand herumgelaufen und gehorsam gewesen, so lässt man es anhalten und lobt es. Nachdem man es hat verschnaufen lassen, lässt man es auf der anderen Hand traben und verfährt genauso.

Pluvinel: Sie wählen hier sofort den Trab, werter Guérinière?

Guérinière: Ja, denn der Trab ist ohne Zweifel die Grundlage aller Übungen, um ein Pferd gewandt und gehorsam zu machen. Dabei wird der Körper des Pferdes im Gleichgewicht gehalten, da zwei Beine in der Luft sich beugen, zwei Beine währenddessen auf dem Boden ruhen und damit den Körper stützen. Dadurch bekommen die Beine in der Luft Leichtigkeit und somit ergibt sich der erste Grad von Biegsamkeit in allen Teilen des Körpers.

So gut jedoch eine Sache vom Grundsatz her sein kann, warne ich vor Übertreibungen, denn man darf trotzdem keinen Missbrauch damit treiben, indem man ein Pferd bis zur Ewigkeit traben lässt.

Steinbrecht: Drängt nun unser junges Pferd nach innen, so muss die Peitsche gegen die innere Schulter gerichtet werden, um es hinaus zu schicken. Drängt es aber auf der anderen Hand gearbeitet nach außen, so hat sich der Longenführer passiv zu verhalten und nur darüber zu wachen, dass es nicht ins Stocken gerät. Die Arbeit an der Longe ist als Vorbereitung für die Übungen unter dem Reiter sehr zweckmäßig und in vielen Fällen unentbehrlich. Das rohe Pferd wird dadurch zunächst vertrauter mit dem Menschen gemacht, in der leichtesten Weise an Arbeit, Aufmerksamkeit und Gehorsam gewöhnt und gewinnt bereits an Biegsamkeit und Gewandtheit, insoweit dies seiner natürlichen Schiefe entsprechend möglich ist. Für das Einhalten der korrekten Kreislinie wird dem Pferd bereits einiges abverlangt.

Guérinière: Da gebe ich Ihnen recht. Damit der Trab an der Longe noch nützlicher für Balance und Formgebung wird, muss man sich als Longenführer stets bemühen, den Kopf des Pferdes mit der Longe nach innen zu stellen und gleichzeitig mit der Peitsche die Kruppe hinauszutreiben und sie einen größeren Kreis beschreiben lassen als die Schultern. Ich werde nicht müde zu betonen, welch hohen Stellenwert somit ein leichtes Schulterherein bereits in der frühen Ausbildung des Pferdes einnehmen kann.

Pluvinel: Ich lasse das rohe Pferd als erstes diese Übung machen: Zuvor habe ich ihm zur Gewöhnung bereits ein Gebiss ins Maul gelegt. Außerdem trägt das Pferd einen Kappzaum, der von mir entwickelt wurde. Er ist aus zwei verschiedenen Seilen hergestellt, die sich gut an die Pferdenase anpassen lassen. Beide Seile sind gleich lang und werden von einem Mann gehalten. Ein zweiter Ausbilder geht seitlich vom Pferd mit einer Peitsche, um damit das Pferd vorwärts zu treiben. Es soll sich am Seil mit nach außen gestellter Kruppe bewegen. Dabei achte ich penibel auf das innere Hinterbein, das wir auf dieser Kreislinie vermehrt unter den Leib des Pferdes zum Schwerpunkt hin treten lassen. Auf diese Weise zeigt der Kopf des Pferdes immer nach innen in die Volte hinein, das Pferd ist nach innen gestellt. Durch diese Ausbildung wird dem Pferd die gute Gewohnheit gelehrt, auf den vor ihm liegenden Hufschlag zu schauen. Ich betone, dass diese ersten Übungen immer um den einzelnen Pilaren ausgeübt werden.

Steinbrecht: Ich bin ein großer Bewunderer Ihrer Pilarenarbeit. Erzählen Sie mehr, Monsieur…

Pluvinel: Nach den ersten Übungen um den einzelnen Pilaren binde ich das Pferd nun zwischen zwei Pilaren an. Ich stelle mich hinter das Pferd und bringe ihm bei, sich ruhig seitwärts hin und her zu bewegen. Zwischen zwei Pilaren ausgebunden lernt unser junges Pferd nun, sich auf Aufforderungen von Gerte und/oder Peitsche in Schritt, Trab und später Galopp zu bewegen und auch seitwärts hin und her zu treten. Der besondere Vorteil liegt in der Korrektur: wenn das Pferd dabei ausweichen möchte, korrigiert es sich durch den aushaltenden Kappzaum selbst und geht dabei präziser und genauer vor, als es ein menschlicher Ausbilder je könnte.

Guérinière: Stellen Sie als Pädagoge schwierige oder leichtere Aufgaben voran?

Pluvinel: Ich, mein geschätzter Guérinière, halte es für sehr gut, mit dem Pferd als erstes Dinge zu üben, die ihm sehr schwer fallen. So finde ich eine Vorgehensweise, die vorwiegend mit dem Kopf, also mit dem Geist des Pferdes arbeitet. Der Körper wird somit nicht überfordert. Der Ausbilder muss dabei den Arbeitseifer hüten, denn die Gutwilligkeit des Pferdes darf unter keinen Umständen erstickt werden.

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Sprich mit mir

Sprich mit mir

Wir können nicht nicht kommunizieren, sagte der bekannte Kommunikationsforscher Paul Watzlawick.

Manchmal fällt es jedoch schwer, zwischen den Zeilen zu lesen. 

Mitte September 2019: Ich bin mit Tarabaya in der Halle und unzufrieden. „Tabby“ ist nicht so wie ich sie kenne. 

Der „rote Gummiball“ wurde sie mal von einem Stallbetreiber genannt, von der Züchterin ist mir ganz einprägsam die steirische Beschreibung „heißer Ofen“ in Erinnerung geblieben. In diesen Tagen ist Tarabaya überhaupt kein heißer Ofen. 

Mühsam und zäh drehen wir unsere Runden. Ich habe das Gefühl, die Hinterbeine so gar nicht ansprechen zu können. Wir sind beide irgendwie frustriert. 

Muss das Pferd lahm sein für Schmerzen?

Tabby ist nicht lahm, aber fürchterlich zäh. Ich rufe den Tierarzt an und vereinbare einen Termin. Am nächsten Tag hole ich Tabby vom Trail und sehe sofort: Links vorne stimmt etwas nicht. Das Fesselgelenk ist angeschwollen, bei warmen Wetter laufen bei Tabby gerne mal die Beine an, aber diesmal ist es anders. 

Ich habe mir in den Tagen davor schon viel ausgemalt. Von Arthrose über Spat und weitere mögliche Befunde. Alles geisterte in meinem Kopf herum. 

Rein äußerlich betrachtet hatte Tabby „nur“ wieder zugenommen, ansonsten schien alles in Ordnung. 

Und doch hat sich jede Bewegung nicht wie üblich und gewohnt angefühlt. 

Wo tut es denn weh? 

Leider können sich unsere Pferde nicht unmittelbar mitteilen. Wie oft schon bin ich mit Kopfschmerzen, Verspannungen, Blähungen oder sonstigen Beschwerden aufgewacht und hätte mir (gerade bei regnerischem Novemberwetter) gerne die Decke über den Kopf gezogen und wäre liegen geblieben. Wie oft bemühen sich unsere Pferde eigentlich für uns, obwohl das Auge tränt, die Bronchien beleidigt sind oder die Hufe fühlig? 

Nicht umsonst wird in der älteren Reitliteratur auch immer wieder der Reitertakt angesprochen – also das Taktgefühl für das Pferd. 

….ein solches Talent besitzt Reitertakt, das ist die besondere Veranlagung, im gegebenen Moment gerade das Richtige, durch den Bewegungsmechanismus und den seelischen Zustand des Pferdes Gebotene zu tun oder das Falsche zu unterlassen….paßt nicht ganz wunderbar der Ausspruch des geistvollen Italieners Alvisi hierher, der sagt: „Der gute Reiter ist ein Psychologe, der sich und sein Pferd kennt. Aber er ist auch sein Arzt: behandelt er es falsch, so verschlimmert er das Übel, das heißt er verstärkt die Fehler“….

Waldemar Seunig, Von der Koppel zur Kapriole

Die Dressur für das Pferd…

Als ich Tarabaya kennen lernte, war mir nur eines wichtig: Mich zu verlieben. Ich hatte meine Stute Barilla gerade verloren und ich wollte mir mit der Suche nach einem neuen Pferd keine Zeit lassen. Als mein Trakehner Kobold fünfjährig völlig überraschend starb, brach für mich eine Welt zusammen. Erst vier Jahre nach Kobolds Tod habe ich Barilla getroffen. Durch Barilla konnte ich erahnen, was eine schonende und gut durchdachte Ausbildung für ein Pferd tatsächlich kann. 

Tarabaya erinnerte mich immens an die Pferde, mit denen ich groß geworden war. 

Sie beeindruckte durch spektakuläre Gänge und Ausstrahlung. Die spektakulären Gänge im Seitenbild waren jedoch von hinten betrachtet eine Sache für sich. Tabby trabte, als hätte sie ein Faß zwischen den Beinen, zur  Breitbeinigkeit kam noch ein Drehen in den Knie- und Sprunggelenken dazu.
Ich war überzeugt, die Akademische Reitkunst würde Tabby in dieser Hinsicht gut helfen. 

Das ist auch sicherlich passiert. Es hat aber eine Zeit lang gedauert!

Als Tabby mir eben Mitte September 2019 so gar nicht gefällt, gehe ich davon aus, dass uns der Tierarzt ganz sicher den Verdacht auf Arthrosen in den Hinterbeinen bestätigen wird. 

Dies ist nicht der Fall. Eine andere Schwäche drückt nicht nur sprichwörtlich auf den Schuh. Seit einigen Jahren gibt es den Befund, dass bei Tabby durch ihre zehenenge Fehlstellung an den Vorderhufen Verkalkungen am Hufknorpel vorliegen. Die ungünstige Hufform, die den Huf sehr schief werden lässt, wirkt sich auf die Sohle, wie auf innere Strukturen aus. Immer wieder war Tabby lahm, für wirklich lange Zeit hat uns dann der Megasus Horserunner geholfen. Tabby hatte wieder Freude an der Bewegung und zum Glück auch wieder abgespeckt. Mehr dazu kann man hier nachlesen.

Die gute und die schlechte Nachricht

Ich nehme die Diagnose mit einem lachenden und weinenden Auge entgegen. Nichts war auffällig. Tabby war nicht lahm – akut ist aber trotzdem am betroffenen Fuß eine Entzündung der Sehnenscheide und eine Fesselgelenksentzündung diagnostiziert. Tabby ist sehr darauf bedacht nie eine Schwäche zu zeigen. Daher war die Entzündung nicht so offensichtlich. 

Und an dieser Stelle kommt die Akademische Reitkunst ins Spiel. Ich kenne natürlich mein Pferd durch und durch. Ich bin zum Analytiker kleinster Bewegungen geworden. Ich weiß genau, wo Tabbys Hinterbeine auffußen, ich fühle, wie sie die Hinterhufe belastet, sind die Vorderbeine auf der gerittenen Linie, oder kreuzt das innere Vorderbein nach außen? Ist der Rücken wirklich da? Schwingt Tabby zur nachgiebigen Hand? All das ist einerseits Routine, andererseits eine jahrelange Gefühlsschulung. Auch wenn keine Lahmheit sicht- oder hörbar war. Ich war eben zu 100 Prozent davon überzeugt, dass etwas nicht stimmt. Auch weil Tabby sehr in sich gekehrt und ruhig war. Im Grunde möchte sie auch immer alles richtig machen. Gelingt etwas nicht sofort, dann ärgert sie sich, ehrgeizig wie sie ist. Diesmal wollte sie gerne mitmachen, konnte aber nicht. 

Meine Reise zur Akademischen Reitkunst hat mich sicher fühlen lassen, wo etwas nicht stimmt.

Die schlechte Nachricht: Die zehenenge Stellung war im Alter, als ich Tabby kennen lernte nicht mehr zu korrigieren. Wir werden hier also immer wieder mit Problemen rechnen müssen – aber darauf gewappnet lässt sich das Training, die Hufbearbeitung, Fütterung (wieder müssen wir dringend abspecken) darauf abstimmen. 

Pferde sind Nutztiere?

Vor einiger Zeit habe ich den Satz gehört: „Pferde sind für mich…Nutztiere“. Dieser Satz kam in einem Podcast vor und zunächst dachte ich: Wie kann man das nur so kalt, objektiv auf den Tisch knallen. Aber es stimmt: Wir „nutzen“ Pferde, als Freunde, als Seelenklempner, für unsere Freizeit, um Zeit schön zu verbringen, um uns reiterlich fort zu bilden, um dazu zu lernen. Pferde erden uns und geben uns Kraft, wir werden in unserer Kommunikation feiner – nicht umsonst boomt das Pferd auch in Punkto Coaching egal ob eine eigene Neuausrichtung gesucht wird oder ein Führungskräftetraining. 

Da meine Pferde quasi für mich da sind, habe ich es mir zur Pflicht gemacht, ihnen ganz aufmerksam zuzuhören – und das betrifft eben bei Weitem nicht das Training. 

Ich bin sehr froh, dass Tabby nicht lange gebraucht hat, um mir zu sagen, wo der Schuh drückt. 

Und ich bin dankbar, dass ich in der Akademischen Reitkunst einen Weg der Kommunikation gefunden habe und diesen auch vermitteln darf – nicht nur was eine feine Hilfengebung anbelangt, sondern auch was das, was zwischen den Zeilen steht anbelangt. Wenn ein Pferd heute so und morgen anders auf eine Hilfe reagiert, dann sind immer physische und mentale Komponenten in Betracht zu ziehen. 


Lassen wir die Pferde zu uns sprechen, dann Reiten wir Einfach 😉 


Der Traum von Leichtigkeit

Der Traum von Leichtigkeit

 Als ich vor über 10 Jahren zur Akademischen Reitkunst kam, war es gerade die Leichtigkeit, die mich so unendlich fasziniert hatte. Jahrelang plagte ich mich mit meiner Stute Barilla. Ich hatte damals unwissend den Schub verstärkt und mein Pferd permanent auf die Hand geritten. Gefühlt hatte ich eine Tonne in der Hand, es fühlte sich alles so unendlich schwer an und das wirkte sich zuletzt auch auf unsere Beziehung aus. 

Doch zum Glück sollte es anders kommen. Durch eine Freundin kam ich zur Akademischen Reitkunst und ihren Schilderungen von Leichtigkeit konnte ich nicht glauben. Erst als ich Eva und ihren Warmblüter Anton in einer Piaffe miteinander tanzen sah, da wußte ich: Das will ich auch. Wobei es mir weniger um die Piaffe ging, als um die feine Verbindung zwischen den Beiden. Der Zügel lose und so gar nicht straff, die Verbindung zwischen Mensch und Pferd ebenso leicht und tänzerisch. Eine wunderbar geformte Oberlinie.

Also zog ich aus, um die Leichtigkeit mit Barilla zu finden. 

Leichtigkeit ist nicht gleich Leichtigkeit 

In der Akademischen Reitkunst arbeiten wir an Leichtigkeit oder besser gesagt an Balance. Wenn wir doch viel Gewicht in der Hand spüren, dann hat das Pferd seinen Schwerpunkt zu stark auf die Vorhand verlagert, es sucht in der Reiterhand nach einem „fünften Bein“, um sich abzustützen. Wenn das passiert, dann wird das Gewicht förmlich auf die Schultern geworfen, ein echtes Schwingen der Wirbelsäule aus der Hinterhand ist dann nicht mehr gegeben. Ein Teufelskreis entsteht, denn unsere erste Reaktion – und durchaus menschlich? Wir wollen das unschöne Gefühl vor uns, vor dem Reiter mit der Hand reparieren, sind wir doch im Alltag auch äußerst „Handlastig“ und alles, was wir fühlen, manifestiert sich zuerst „vor“ uns. Wir sind es zu Beginn unserer Reise auch noch nicht gewohnt nach „hinten“ in die Hinterhand des Pferdes zu spüren. Die Hand wirkt dann rückwärts und „würgt“ den Rückenschwung noch mal ganz deutlich ab, wenn die Wirbelsäule durch unsere „Reparaturmaßnahmen“ komprimiert wird. Der Hinterfuß wird dann auch nicht besser nach vorne kommen sondern nach hinten raus gedrückt. 

Wann ist Leichtigkeit „echt“? 

Mit der Tätigkeit der Hinterhand steht und fällt quasi ein gutes Ergebnis. Wenn das Pferd seinen Hinterfuß nach vorne unter die Masse, also unter den Schwerpunkt setzt, dann kann es den Brustkorb heben. Die Schultern und die Führung zwischen den Schultern wird leicht, das Pferd kann seinen Hals und Kopf gut tragen und somit wird es auch leicht, den Reiter zu tragen. 

Wir arbeiten also mit Balance, mentaler und physischer Losgelassenheit, Durchlässigkeit, Tempo und Takt und tasten uns nach und nach an die Formgebung heran. Egal ob wir das Pferd zur Dehnungshaltung einladen möchten oder später an mehr Aufrichtung arbeiten, das Pferd darf nie durch die Reiterhand in eine Form gepresst werden. 

Ist Leichtigkeit immer richtig? 

Nein. Leider. 

Es gibt verschiedene Formen von falscher Leichtigkeit. 

Sehr häufig treffe ich auf Pferde, die sich auf den ersten Blick rein optisch in eine schöne Position begeben, die Formgebung des Halses scheint korrekt, wenn aber die Reiterhand zur Dehnung einlädt und der Reiter das Pferd zum Rausstrecken des Halses auffordert, dann passiert….nichts. Das Pferd bleibt in der zuvor beschrieben Haltung und traut der Hand nicht. Die Ursache für dieses Phänomen kann ein zusammengezogener oder ein steifer Hals sein. 

Daher ist eine der ersten Übungen, die ich am Boden umsetze, das Prinzip der nachgiebigen Hand vorzustellen. Dabei löse ich das Pferd noch gar nicht abwärts, sondern frage mal sanft am Kappzaum oder am Halfter nach, ob das Pferd den Kopf einfach mal zur Seite nehmen möchte. Kommt es meiner vorsichtigen Frage nach, dann nehme ich die Hand unmittelbar weg vom Halfter oder Kappzaum in meinen Bereich und lobe das Pferd. Ich frage also nach, ob meine Hand etwas formen darf, kommt das Pferd meiner Bitte nach, dann ist die Hand sofort nachgiebig. Das Verständnis und Vertrauen in eine nachgiebige Hand ist für die weitere Ausbildung ein riesiges Plus. 

Mit meiner Stute Pina habe ich lange an einer korrekten Dehnungshaltung gearbeitet. Mit Trense oder gebisslos kein Problem – das bloße Gewicht der Kandare reichte beim ersten Mal schon aus, dass sie die Nase hinter der Senkrechten positionierte und im Rücken fest wurde. Freilich – das Problem wäre so oder so da gewesen. Als wir nach einer passenden Kandare suchten, wurde es nur offensichtlich, woran wir eigentlich noch arbeiten mussten. 

Wir haben also akribisch an einer guten Verbindung gearbeitet. Schwierig ist es natürlich, eine solche Leichtigkeit von einer korrekten Leichtigkeit zu unterscheiden. Was uns hier auch geholfen hat, war die Ausbildung in der Handarbeitsposition von außen geführt. Nun konnte ich die Tätigkeit der Hinterhand ganz eindeutig observieren und spüren, was in der Hand ankam und was eben nicht ankam. Zusätzlich war es angenehm, Pina quasi im Blick behalten zu können und die Einschätzung dessen, was ich in der Hand fühlte wurde zunehmend deutlicher. So konnte ich auch im Sattel besser beurteilen, ob Leichtigkeit echt und harmonisch oder eben nicht korrekt war. 

Kein Pferd verhält sich wie das andere. Die Beobachtung von Monumenten und Statuen in so manchem historischen Innenstadzentrum lädt auf eine Spurensuche in Punkto „Aufgerollter Hals“ ein. Dabei scheint das Pferd stolz und aufgerichtet, der Unterhals ist jedoch deutlich auszumachen und der Brustkorb ist zwischen den Schulterblättern abgesunken. 

Was ist zu hoch? Was ist zu tief?

Grundsätzlich gilt – aus jeder Position muss ein vorwärts reiten und eine Einladung zur Dehnungsbereitschaft mit einem bereitwilligen „Ja“ beantwortet werden. Kein Pferd gleicht dem anderen, daher kann für das eine Pferd eine tiefere Kopfhaltung möglich sein, für das nächste Pferd hätte dies eine Blockierung des korrekten Rückenschwungs zur Folge. 

Und die Zäumung? 

„Pferde, die sich zu stark beizäumen oder aufsetzen: In beiden Fällen muss man dem Pferd ein mildes Mundstück geben, weil ein scharfes Mundstück es noch mehr zum Aufsetzen bringt, denn es verfällt in diesen Fehler nur, um den Zwang des Mundstückes zu entgehen. Kurze Bäume in Verbindung mit einem dem inneren Bau des Mauls angepasstes Mundstück sind für solche Pferde zweckmässig. Bei Pferden, die sich zu stark beizäumen und auf der Brust aufsetzen hilft eine Unterlegtrense.“

François Robichon de la Guérinière

Guérinière betont jedoch, dass es nicht ausreicht, dem Pferd eine vernünftige Zäumung zu verpassen. Damit schließt sich der Kreis zum erneuten Plädoyer die Reiterhand umfassend auszubilden und das Gefühl zu schulen, denn….

„….ohne eine gute Hand und viel Einfühlungsvermögen des Reiters bleibt auch die am besten angepasste Zäumung nutzlos. Nur durch Reitkunst, bei der geeignete Lektionen mit einer Zäumung, die dem Maul des Pferdes nicht wehtut, sinnvoll angewendet werden, wird man bei der Ausbildung des Pferdes Erfolg haben.“

François Robichon de la Guérinière

Reisen wir von Frankreich weiter nach Deutschland zu Udo Bürger

Er attestiert Pferden mit Anlehnungsproblemen auch Probleme mit Tempo und Takt. 

„….dabei machen sich die Pferde im Gang selbstständig, verhalten sich oder eilen und stürmen ohne die Hilfen zu beachten, die (Bein)Folge wird unregelmässig, sie üben Resistenz. ….In diesem Sinne fängt jede Korrektur der Anlehnung beim Gang an. Erst muss der reine Gang in freiem Vortritt bei absolut passiver Anlehnung in Ordnung sein, ehe der Reiter sich mit den Zügeln eine Einwirkung hinsichtlich Durchlässigkeit erlauben darf“. 

Udo Bürger

Anlehnung und Gewicht in der Hand? 

Ist Gewicht in der Hand immer negativ? Grundsätzlich streben wir wie gesagt danach, dass sich das Pferd durch die Tätigkeit aus der Hinterhand selbst gut tragen kann und auch uns dahingehend gut mitnimmt. Wenn es jedoch zu Gewicht in der Hand kommt – okay. Wie? Hat sie jetzt okay gesagt? Ja, denn ohne diese Information in unserer Hand wissen wir ja nicht, was wir eigentlich korrigieren wollen und wo unsere Hausübung liegt. Das heißt freilich nicht, dass wir dieses Ergebnis für immer haben wollen – ein bisschen Gewicht in der Hand ist allerdings ein offensichtlicheres Indiz für die gestellte Hausübung, falsche Leichtigkeit ist manchmal schwieriger zu entlarven. Das Pferd muss lernen, zur Hand des Reiters zu suchen. Die Schulung echter Leichtigkeit entsteht aus der Schulung der Hinterhand gepaart mit dem richtigen Reitergefühl. 

Ausbilden mit Leichtigkeit? 

Ja, manchmal gibt es Hürden. Leichtigkeit muss daher auch aus einem anderen Blickwinkel betrachtet werden. Wer den Weg zur Akademischen Reitkunst sucht und startet, der stolpert rasch in der Bodenarbeit über Leichtigkeit. Völlig unvoreingenommen tasten wir uns an neue Inhalte heran und sind verblüfft, wie einfach alles von der Hand geht. Und dann? Dann kommt später der Umstieg vom Boden in den Sattel und sie ist dahin, die Leichtigkeit. Es wird also Hürden und Schwierigkeiten geben, aber diese schulen auch unsere Ausdauer zu lernen und zu üben. Manchmal erklimmen wir in der Ausbildung von unserem Pferd und uns selbst scheinbar mühelos mehrere Treppenstufen, manchmal verharren wir auf einer Stufe. Nicht immer ist alles leicht – damit wir unbeschwert und losgelassen trainieren können, müssen wir auch unsere eigene Ausdauer schulen – und das bezieht sich auf Körper und Geist. Daher gehört zur echten Leichtigkeit auch, dass wir uns selbst physisch und mental fit halten. 

Arbeiten wir an echter Leichtigkeit, dann Reiten wir Einfach. 😉


Schneller oder langsamer?

Schneller oder langsamer?

Wie viel Vorwärts für das junge Pferd? Das ist für viele Reiter die Gretchenfrage. Den ersten Teil rund um dieses spannende Thema kannst du HIER nochmal nachlesen. 

Der Veterinärmediziner Udo Bürger  sagt zu diesem Thema: 

„Ein Pferd, von dem man aber sagt, es sei ein gerittenes Pferd, das muss gehen gelernt haben. Das geformte anerzogene und ausgelernte Gehen muss ihm zur Gewohnheit werden. Man darf sogar von der Kunst zu gehen können sprechen, ohne damit zu übertreiben. Im Grunde ist die ganze Ausbildung des Reitpferdes eine Schule im Gehen. Die Beherrschung der Gliedmaßen im richtigen Gehen ist die Grundlage des Gangs in allen Gangarten.“

Udo Bürger, Vollendete Reitkunst

Können unsere Pferde nicht gehen?

Konkret geht es um die angestrebte Einheit von Mensch und Pferd. Und für uns Menschen hießt das: 

Die Beschäftigung mit den Hinterbeinen

Hier schreiben beispielsweise Guérinière und Seunig viel darüber, den natürlichen Gang des Pferdes zu erhalten. Bürger schlägt in dieselbe Kerbe und beschreibt den natürlichen Gang als taktmässig und mahnt daher den Reiter unbedingt auf den Rhythmus des Ganges zu achten. 

Rhythm is a dancer…

Rhythmus ist so eine Sache. Mit dem Metronom zu reiten ist vielleicht manchmal zu eintönig. Eine spannende Sache ist die Arbeit und Inspiration durch Musik.
Wie klar ist der Rhythmus? Hat das Pferd einen klaren Takt oder lässt es sich aus dem Rhythmus bringen. Bei einem jungen Pferd habe ich den Rhythmus schon in der Boden- und Longenarbeit beobachtet. Folgt dieser der Musik oder hat das Pferd Schwierigkeiten einen bestimmten Rhythmus einzuhalten? Wie geht es mir eigentlich selbst, wenn ich mich zum Rhythmus einer Musik bewege? Kann ich den Rhythmus halten? Auch eine spannende Frage, wenn es um die eigene Ausdauer geht. Ändert sich der Rhythmus, wenn wir unsere Position in den Sattel verlegen? Einige junge Pferde werden vielleicht den Rhythmus steigern, andere werden sich verhalten – und andere wieder perfekt vom Boden ausgebildet und auf das Reiten vorbereitet werden sich nicht anders, als wie beim gemeinsamen Tanz am Boden verhalten. Wenn wir mit verschiedenen Rhythmen spielen – und hier eignet sich die Bodenarbeit eben auch ganz hervorragend, beispielsweise beim Longieren, denn beobachten wir unser Pferd und finden heraus, welcher Rhythmus dem natürlichen Gang des Pferdes entspricht.  

Große schleppende Tritte sind ein Übel, das von schlaffer Kondition und Energielosigkeit zeugt. Aus kurzen energischen Tritten aber kann der Reiter viel herausholen, sofern die Kraft der Muskeln sichtbar wird. In der Umformung zum Schwung werden sie für jede Leistung lang genug; Sie erleichtern dem weniger Geübten die Arbeit und geben ihm die Chance bei den trittverlängernden Übungen viel zu lernen. Aber die Kraft muss da sein. Kurze gebundene Tritte dagegen, gepaart mit mangelnder Bewegungsfreudigkeit sprechen dafür, dass Hemmungen vorhanden sind, deren Gründe entweder im Körperbau oder in schmerzhaften Zuständen an den Beinen oder im Rücken zu suchen sind. 

Udo Bürger, Vollendete Reitkunst

In unserer neuen Position vom Sattel aus, zeigen wir unserem Jungpferd nochmal alle Hilfen, die wir vom Boden aus erarbeitet haben nochmal. 

Da die Schenkelhilfe in der Bodenarbeit durch die Gerte ersetzt wurde, ist mir eine Übung mit physischem Kontakt sehr wichtig. Dafür gehe ich direkt neben meinem Pferd und lege meine Handfläche in die Sattellage. Ich kann meine Handfläche auch in etwa dort ablegen, wo später mein Oberschenkel aufliegt. Nun denke ich ans Tanzen. Wenn ein Tanzpaar auch ohne Begleitung durch Musik von einem Walzer in einen Cha-cha-cha wechseln kann, dann bedeutet das Einheit, Verbindung, Spüren, Geben und Nehmen von Energie. Kann ich also, über meine Intention, über meinen Körper, wenn ich neben meinem Pferd gemächlich laufe die Energie steigern zu einem flotteren Schritttempo, oder gar zu einem Trab, oder vielleicht zu ein paar Galoppsprüngen? In der Frontosition in der Bodenarbeit vor dem Pferd aber auch in der Longenposition ersetzt die Gerte immer den inneren Schenkel (oder natürlich auch den äußeren Schenkel). Daher spiele ich gerne mit der Energie über den physischen Kontakt – so als kleine „Zwischenstufe“ bevor ich mich das erste Mal auf den Rücken meines Jungpferdes wage. 

Wenn Pferde also verhalten auf den direkten, vortreibenden Schenkel reagieren und damit nichts anzufangen wissen, dann können diese Übungen zur Energieübertragung eine wichtige Lücke in der Ausbildung schließen. 

Wenn das Pferd im Schritt unterwegs ist, denke ich an den idealen Rhythmus, den wir in der Bodenarbeit schon entdeckt hatten und versuche diesen zu fördern – falls nicht ohnehin schon vorhanden. 

Was, wenn der Gang unnatürlich wird? 

Bad news, der Fehler sitzt immer im Sattel. Sobald wir zu sehr eingreifen, sobald wir mit unseren Händen etwas herstellen wollen, was noch nicht ist, wird sich die natürliche Gangfolge verändern. 

Hier kommt erneut das viel zitierte Reitergefühl ins Spiel. Wenn es um Hinterbeine geht, dann müssen wir fühlen und interpretieren können, wann das Hinterbein in der Spielbeinphase ist, wann es als Standbein arbeitet und ob es hier eben gerade aufgefußt ist, oder schon wieder am Abschieben. 

Möglicherweise bietet das Pferd kürzere Tritte an, wenn es die Streckstellung, also wenn es sich vom Boden abschiebt verlängert, der Vorgriff wird aber dabei geringer. Möglicherweise macht das Pferd auch kleine Schritte nach vorne, es kommt mit dem Hinterfuß also nicht in Richtung Schwerpunkt. Das Pferd kann auch aus dem Takt kommen, ungleich fußen, eilig werden, sich zäh anfühlen. Die Möglichkeiten sind vielseitig. 

Der direkte Schenkel, also der vortreibende Schenkel steht somit auf dem Stundenplan. Dabei ist es eben wichtig, dass der Reiter den individuellen, natürlichen Gang des Pferdes im Gefühl hat. Verhält sich das Pferd im Vergleich zur Bodenarbeit? Oder wird es eilig? 

„Das erste Stadium der Ausbildung ist mehr Erziehung als Ausbildung. Aus dem freien natürlichen Gang wird das Pferd durch die treibende Hilfe zum fleißigen Gang angeregt. Geht es fleißig und entschieden vorwärts, dann streckt es sich von selbst und sucht die Zügelanlehnung, die ihm auch gegeben werden soll“.

Udo Bürger, der Reiter formt das Pferd

Zu Beginn halte ich die gerittenen Einheiten sehr kurz. Ich beobachte: Bleibt die Balance erhalten, bleibt das Pferd losgelassen, bleiben Tempo und Takt gleichmässig? Beginnt das Pferd sich ein wenig zu strecken? Dann bin ich mit einer meiner ersten Einheiten voll und ganz zufrieden und steige ab, um mein Pferd auf Augenhöhe ordentlich zu feiern. 

Mit der Zeit steigern wir die Zeit im Sattel, ganz allmählich kommt alles Weitere hinzu, immer die Qualität von Rhythmus, Takt und Tempo prüfend. Es ist nicht immer leicht, das individuelle Tempo des Pferdes zu bestimmen. Manchmal fühlt sich ein Ergebnis ganz gut an, eine Videoaufnahme zur Analyse zeigt jedoch beispielsweise – plötzlich wurden die Vorderbeine rückständig. Zuviel Schub, das Pferd ist nun stark auf die Schultern gefallen. 

Die Gehfreude ist auch „draußen“ sicherlich einfacher zu erhalten. 1995 habe ich meinen Trakehner Wiesenkobold vorwiegend im Gelände und mit Unterstützung im Team Teaching (mit dabei war ein erfahrenes Pferd und dessen Reiter) angeritten. 

Und das mit dem Gelände möchte ich auch weiter so halten. 

„Wie wir wissen sind es die gleichen Muskelgruppen, denen die Hankenbiegung und die Schubkraft obliegt. Daraus erklärt sich die Erfahrung, dass der Wechsel zwischen Reitbahn und Geländereiten mit Klettern für die Entwicklung der Hinterhand am förderlichsten ist. Beides ergänzt sich, das eine ist eine Geschichlichkeitsgymnastik und das andere Kraftsport für die Pferde. Beides ist notwendig“.

Udo Bürger, Der Reiter formt das Pferd. 

Wenn du mehr zum Thema Vorwärts wissen möchtest, dann lege ich dir den Podcast mit Ursula Ursprung ans Herz. 

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