Neulich habe ich im Stall eine lustige Definition gehört. 
„Die Akademiker sind die, die rückwärts vor dem Pferd herlaufen und mit der Gerte wedeln“. 

In der Tat laufen wir gerne in der Frontposition vor dem Pferd rückwärts. Das macht Sinn, weil: 

  • Wir lernen, das Pferd gut zu überblicken
  • Wir schulen das Gefühl für die Bewegung der Wirbelsäule des Pferdes
  • Wir schulen unseren Blick
  • Wir können genau sehen, wo welches Hinterbein auffußt und wie es abfußt
  • Wir spüren sehr genau die Schulterbalance des Pferdes 
  • Wir fühlen uns vom Pferd geschoben, bedrängt oder laufen entspannt miteinander

Da wir heutzutage meist Ausbilder unseres Pferdes und selbst Lernend sind, ist es notwendig, das eigene Gefühl und den Blick für bestimmte biomechanische Vorgänge zu schulen. Hier kann die Frontposition aber auch ein Nachteil sein, wenn: 

  • …die Frontposition quasi echt zur Front wird – wenn zwei Fronten aufeinander prallen. Im folgenden Video wirst du auch sehen, wie sich mein junger PSL Mandrake damit plagt. Die Positionierung des Menschen vor dem Pferd findet er noch gar seltsam. Pferde, die viele Jahrhunderte darauf hin selektiert wurden mit dem Rind zu arbeiten, es auch zu dirigieren werden sich ebenso wie so mancher Hengst oder Wallach schwer tun, die zweibeinige „Lieblingsstute“  nicht zu beknabbern. 
  • …der Mensch zu langsam ist und das Pferd permanent im korrekten Rückenschwung ausbremst
  • …das Rückwärtslaufen für den Menschen so anstrengend ist, so dass es niemals zu einem gewissen Bewegungsfluss kommt. 

Im folgenden Video zeige ich dir meinen jungen Lusitano Mandrake, der ganz am Anfang der Ausbildung steht. Er tut sich mit der Frontposition schwer, kann mit mir noch nicht so viel da vor ihm anfangen, daher sind kurze Einheiten und Entspannung bei uns im Zentrum der Ausbildung. 

Wenn ich mir die Bilder von Mandrake anschaue und dann an Konrad und Amena denke, die mit der Frontposition so gar kein Thema hatten, dann stellt sich für mich freilich die Frage, ob es sinnvoll ist, jede Position zu lernen. Für den Menschen als Ausbilder des Pferdes macht es durchaus Sinn, viele Positionen zu lernen, schließlich lässt sich so bei vollem Werkzeugkoffer auch leichter herausfinden, wie man sein Pferd unterstützen kann. Wenn die Frontposition jedoch für Pferde sehr stressbehaftet ist, dann darf man ruhig auch kreativ sein. Mit dem Wallach einer Schülerin haben wir viele Sekundarhilfen in der Langzügelposition besser umgesetzt oder auch in der Frontposition – allerdings in Freiarbeit. 

Ich freue mich jedenfalls schon sehr auf dein Feedback zu dieser Position,  

Alles Liebe