Essenzielle Hilfengebung – was bedeutet das eigentlich? Eines ist klar, Hilfen können nur helfen, wenn sie wirklich Hilfen sind. Aber setzen wir eigentlich die richtigen Hilfen ein, arbeiten wir mehr am Symptom oder an der Ursache? 

Welche Hilfen gehören zur Essenziellen Hilfengebung? 

Beim Reiten geht es um Kommunikation. Einer der schönsten Ritte, der bei mir Gänsehaut verursacht hat, war der Ritt von Christofer Dahlgren auf jener Sommerakademie 2016. Direkt nach einem gerittenen Croupade Sprung ein Übergang in den Schritt in Dehnungshaltung. Einfach nur Wow. Und die Hilfengebung war so mühelos. Wenn wir zwei Tänzer beobachten, die einfach nur miteinander harmonieren, dann fragen wir uns zweifelsohne, wie machen die das? Wie ist es möglich, so miteinander zu kommunizieren, ohne laut werden zu müssen oder wild zu gestikulieren. 

In den nächsten Beiträgen möchte ich mich mit der Hilfengebung beschäftigen, hier stellt sich eingangs freilich die Frage – welche Hilfen haben wir überhaupt zur Verfügung und wie kommunizieren diese wiederum untereinander miteinander. 

Essenzielle Hilfengebung: Primäre und Sekundäre Hilfen 

Der Wunsch nach Harmonie und unsichtbaren Hilfen kann erfüllt werden – wenn das Pferd „am Sitz“ ist oder anders gesagt, das Pferd vom Reiter durch minimale Sitzhilfen führen kann. Bis es aber soweit ist, bedarf es ständiger Verfeinerung von Kommunikation und Verständnis. Weil es keinen magischen Knopf beim Reiten gibt, assistieren uns die Sekundären Hilfen, ein Verständnis zu schaffen. Die Sekundären Hilfen werden unterteilt in: 

  • Schenkelhilfen
  • Indirekte und direkte Zügelhilfen 
  • Stimmhilfen
  • Gertenhilfen (zeigend, fächernd, berührend)

Essenzielle Hilfengebung – Schenkelhilfen

Schenkelhilfe ist nicht gleich Schenkelhilfe. Wenn wir Mitteilungen aus dem Schenkel geben, dann werden diese freilich sehr differenziert vom Pferd wahrgenommen – aber auch diese Unterscheidung müssen Mensch und Pferd überhaupt erst lernen und verstehen. 

Wir unterscheiden zwischen den folgenden Schenkelhilfen: 

  1. der um sich herum biegende, innere Schenkel: Eine der wichtigsten Hilfen überhaupt. Der um sich herum biegende, innere Schenkel trägt maßgeblich zur Formgebung der Wirbelsäule bei. Und nach dem Motto – die Form folgt der Funktion ist die Form weitestgehend mitbestimmend bei der Gretchenfrage, ob ein Pferd Tragkraft entwickelt und somit Reitpferd wird
  2. Der von sich weg biegende, äußere Schenkel ist eine wichtige Hilfe, wenn wir das äußere Hinterbein des Pferdes heran holen wollen. 
  3. Der direkte Schenkel begleitet das jeweilige Hinterbein im Abfussen und in der Spielbeinphase für eine korrekte Platzierung unter dem Pferdebauch
  4. Der verwahrende Schenkel wird eingesetzt, um ein Hinterbein einzusammeln, das nicht sicher unter die Masse treten will. 
  5. Der rahmende Schenkel kann, wenn beispielsweise das innere Hinterbein zu weit kreuzt und dadurch an Vorgriff verliert eingesetzt werden. 
  6. Der versammelnde Schenkel macht das Hinterbein magisch. Die Hinterbeine werden kaum am Boden angekommen wieder zum Abfussen animiert, was eine verkürzte Standbeinphase auslöst. 

Die wichtigsten Schenkelhilfen habe ich im folgenden Video rund um die Bodenarbeit zusammengefasst: 

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Essenzielle Hilfengebung – Zügelhilfen 

In der Bodenarbeit zeigen wir dem Pferd direkt verbunden durch die Hand am Kappzaum, wie das Pferd auf eine Hilfe reagieren soll – und hier kommt auch schon die erste Verknüpfung von Hilfen mit ins Spiel, wenn das abwärts lösen der Hand direkt mit der um sich herum biegenden und formenden Gertenhilfe verknüpft wird. 

Zu Beginn erklären wir dem Pferd, wie es auf unsere Handeinwirkung reagieren kann – wir zeigen lösende und stellende Einwirkung, assistiert durch die Gerte bekommen wir einen inneren und äußeren Zügel und können somit dem Pferd auch die indirekte Zügelhilfe beibringen, wenn wir die Schultern einwärts oder auswärts bewegen möchten – beispielsweise, wenn wir den Zirkel verkleinern oder vergrößern. 

Essenzielle Hilfengebung – Direkte Zügelhilfen

Was macht die Hand am Kappzaum eigentlich, wenn sie direkt auf die Wirbelsäule Einfluss nimmt? 

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Essenzielle Hilfengebung – Indirekte Zügelhilfen

Wie klappt das mit den indirekten Zügelhilfen? Diese Frage kam auch bei mir im Online Kurs auf – also haben Konrad und ich ein kleines Video dazu gemacht: 

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Essenzielle Hilfengebung – das Orchester der Hilfengebung

Wenn es um Hilfengebung geht, dann sprechen wir gerne von einem Konzert der Hilfengebung – dafür brauchen wir aber freilich ein Orchester und aus eigener Erfahrung weiß ich, wenn man ein Instrument lernt, dann beginnt man mit der Technik. Ich hätte mir als Kind niemals ausgemalt, dass es zu einer wunderbaren Aneinanderreihung von Melodien kommt, wenn ich wirklich übe, den Geigenbogen sauber über die Saiten zu streichen. Wenn ich übe, wie ein kleiner Finger auf der Saite vibrieren kann und wie der Bogen im Pizzicato springt. 

All diese Dinge sind Technik – und freilich brauchen wir für die korrekte Hilfengebung auch einen Haufen Gefühl – wer Noten ohne Gefühl vom Blatt spielt, wird auch keine Emotion in der Musik erzeugen. 

Aber wie entwickelt sich dieses Gefühl – die wohl wichtigste Steuerung, das zentrale Nervensystem der Hilfengebung, wenn man so will. Gefühl kann nur durch Versuch und Irrtum wachsen, Gefühl muss im ständigen Dialog stehen. Wie soll die Sache aussehen und wie fühlt sie sich an?  


Wer Ausbilder seines Pferdes werden möchte, der hat einiges zu tun. Die Theorie studieren und die Praxis erfühlen, überprüfen, Hypothesen formuliere und hin spüren ob Wunsch und Wirklichkeit zusammen passen. 

Anders gesagt – und hier denken wir wieder an die Musik. Es gibt tausende Noten und Möglichkeiten, aber für jedes Stück müssen die richtigen Töne gefunden werden. Der Ton macht die Musik – und die richtige Hilfengebung macht die Reitkunst. Darüber mehr im nächsten Blogartikel. 

Essenzielle Hilfengebung zum Weiterlesen und Mitmachen