Bevor es ans Reiten geht, wird das Pferd vom Boden ausgebildet. Hier stehen dem Ausbilder zahlreiche Führpositionen und Variationen zur Verfügung. Welche Führposition eignet sich am Besten? Welche Vor- und Nachteile jede Position betreffend sollten die Ausbilder kennen?

Julia Kiegerl hat sich die einzelnen Führpositionen genau angeschaut und präsentiert diese in diesem Artikel.
In der Akademischen Reitkunst geht es um gezieltes Muskeltraining, damit das Pferd den Menschen in allen Lektionen mühelos tragen kann, ohne Körper und Geist zu schaden. Wir haben einen Wunsch vom Reiten, bevor wir diesen in die Tat umsetzen und am Rücken der Pferde Platz nehmen, sollten wir sie idealerweise vom Boden auf das Leben als Reitpferd vorbereiten. 

Welche Positionen in der Bodenarbeit gibt es? Seitliche Führposition (1), Bodenarbeitsposition (2), Longierposition (3), Handarbeitsposition von innen oder außen geführt (4) und Langzügelposition (5)
Welche Positionen in der Bodenarbeit gibt es? Seitliche Führposition (1), Bodenarbeitsposition (2), Longierposition (3), Handarbeitsposition von innen oder außen geführt (4) und Langzügelposition (5)

Bodenarbeit ist aber nicht nur physische Ausbildung – die Bodenarbeit eignet sich ausgezeichnet, um eine gute Beziehung zum Pferd aufzubauen und ein Verständnis für diverse Hilfen zu entwickeln. Der Ausbilder kann vom Boden aus in aller Ruhe sein Auge und Gefühl schulen. Auch bei der Korrektur und Rehabilitation von Pferden ist die Bodenarbeit von großer Bedeutung. 

Eine Besonderheit und ganz charakteristisch für die Akademische Reitkunst sind die vielen Möglichkeiten das Pferd vom Boden aus zu arbeiten. 

Und hier stellt sich oft die Frage: 

Welche Position ist für mich und mein Pferd im Moment die geeignetste? 

Seitliche Führposition (1): 

Wenn man in der Akademischen Reitkunst von der Bodenarbeit spricht geht man meistens von der Führposition aus, in der sich der Mensch rückwärts laufend vor dem Pferd befindet. Durch unsere rückwärts Bewegung ist dies eine sehr ungewöhnliche Position für uns Menschen und auch die Pferde haben manchmal einiges dazu zu sagen! 

Um das Pferd und auch den Menschen gut darauf vorzubereiten wählt man zuerst die seitliche Führposition (1). In dieser Position befindet der Ausbilder des Pferdes sich ca. auf der Höhe des Widerrists evtl. auch ein bisschen weiter vorne. Und hier kommt schon auch die erste Herausforderung, schließlich sollen Pferd und Mensch einen möglichst gleichbleibenden Abstand einhalten. 

Wenn der Mensch sich in der seitlichen Führposition gemeinsam mit dem Pferd beispielsweise auf dem Zirkel bewegt, passiert es häufig, dass das Pferd auf einer Hand den Zirkel verkleinert und auf die innere Schulter fällt, auf der anderen Hand den Zirkel vergrößert und auf die äußere Schulter fällt. Im Unterricht erkläre ich meinen Schülern, das dies auch an der natürlichen Schiefe des Pferdes liegt. Wir selbst haben auch so unsere Schwierigkeiten eine gleichmässige Linie auf jeder Hand einzuhalten.

Wenn das Pferd den Zirkel ungewollt verkleinert, sollte ich daher zu Beginn meine Körpersprache überprüfen. Wie ist meine Körperdrehung? Bleiben meine Zehenspitzen auf der Zirkellinie? Bewege ich mich selbstsicher und aufrecht und gebe den Weg vor oder orientiere ich mich zu sehr am Pferd und verkleinere ungewollt den Zirkel mit? 

Stellen wir uns folgendes Szenario vor: Trotz aller Bemühungen einer klaren und deutlichen Körpersprache möchte das Pferd den Zirkel noch immer verkleinern.  Am besten nimmt man die Gerte, mit den Knauf nach oben zeigend, Richtung innerer Schulter des Pferds und fächert oder touchiert vorsichtig bis das Pferd das Gewicht von der inneren Schulter nimmt. Diese Reaktion lobt man ausgiebig und wiederholt so lange, bis das bloße Heben der Gerte schon die gewünschte Reaktion zeigt. Mit der Zeit kann die Hilfengebung immer weiter verfeinert werden bis sie von anderen kaum mehr wahrnehmbar ist. 

Julia Kiegerl und ihr Vollblüter Moon in der seitlichen Position mit etwas mehr Distanz
Julia Kiegerl und ihr Vollblüter Moon in der seitlichen Position mit etwas mehr Distanz

Das Pferd vergrößert mir den Zirkel und fällt auf die äußere Schulter. Wenn der Mensch sich noch am Beginn seiner eigenen Ausbildung befindet, kommt es häufig vor, dass dieser das Pferd zu sehr anstarrt und sein Brustbein somit zu sehr zum Pferd dreht. Der eigene Körper zeigt nach außen und gibt somit unbeabsichtigt dem Pferd das Signal, dass es sich vom Ausbilder weg bewegen soll. 

Zu Beginn eignet sich die Arbeit parallel zur Bande, hier hat man eine optische Vorgabe, die die Sache etwas einfacher macht. Gemeinsames Angehen, Halten und  Tempounterschieden werden so geübt. Hier kommt ein weiterer, wichtiger Punkt ins Spiel – nämlich die Synchronität – Mensch und Pferd sollen nicht nur die Position nicht verändern, sie sollen sich auch im Gleichmaß miteinander bewegen. 

Beim Angehen sollte man sehr genau darauf achten, dem Pferd nicht davon zu laufen. Wenn die Aufmerksamkeit des Pferdes beim Menschen ist, verlagert dieser sein Gewicht etwas nach vorne Richtung Zehenspitzen; die direkte Hand am Seil bzw. Longe, mit Halfter oder Kappzaum verbunden, ist dabei auch vorwärtsweisend und gebend. Im besten Fall reagiert das Pferd sofort auf die Signale und setzt sich in Bewegung. Ist das nicht der Fall,  kann man das Pferd durch eigene Bewegung auf der Stelle (Wassertreten auf der Stelle) oder Stimmhilfen, sowie durch eine Berührung mit der Gerte in Schenkellage oder in Richtung Hinterhand zur Bewegung einladen. 

Während man sich mit dem Pferd gemeinsam auf dem Platz oder in der Halle fortbewegt ,sollte man penibel auf seine eigene Energie achten. Ist man selbst zu schnell, oder zu langsam? Passt die Energie mit der gewählten Bewegungslinie überein? 

Stehen Tempovariationen am Stundenplan, dann müssen wir natürlich auch glaubhaft energetischer werden, wer sich selbst wie ein ausgelaugter Kartoffelsack bewegt, darf nicht vom Pferd spritzige Energie erwarten. Was wir aussenden, bekommen wir zurück, denken wir also daran, dass es um eine Spiegelung von Energie und Körpersprache geht, wenn wir mit dem Pferd zusammen sind. Dieses Prinzip machen wir uns in der Ausbildung zu Nutze. 

Neben dem Zulegen und Vermindern des Tempos sind auch Richtungswechsel in beide Richtungen wichtig. Befindet sich der Ausbilder außen neben dem Pferd, kann eine Wendung schon Kopfzerbrechen bereiten, grundsätzlich sind aber alle Herausforderungen mit etwas Übung zu meistern! 

Vorteile und Nachteile der seitlichen Führposition im Überblick: 

Die Vorteile:

  • Der Ausbilder bewegt sich vorwärts. Das ist zu Beginn einfacher als rückwärts zu laufen.
  • Übung und Etablierung einer synchronen Bewegung zwischen Mensch und Pferd 
  • Sehr gut lassen sich Veränderungen von Tempo, Takt, Balance oder gar einer Verschiebung der Führposition erkennen. 

Die Nachteile:

  • Wir sehen die Hinterhand des Pferdes nicht so gut, bzw. müssen den Kopf nach hinten neigen, um die Aktivität der Hinterhand zu überprüfen – das wirkt sich negativ auf die Linienführung aus. 
  • Es passiert relativ häufig, dass der Mensch das Pferd unbeabsichtigt überbiegt und dadurch ein Ausfallen und Mehrbelastung der äußeren Vordergliedmaße verursacht.
  • Zieht man zu stark am Strick oder am Seil, kann sich das Pferd im Genick verwerfen – das Pferd macht sich im Unterkiefer fest, dies kann sich dann auch auf die spätere Erarbeitung von Stellung und Biegung negativ auswirken, wenn sich Bewegungsabläufe bereits gefestigt haben und der Unterkiefer des Pferdes beispielsweise nach innen bewegt, um dem Druck gegen zu halten – vor allem wenn Führübungen mit Zaum und Trense absolviert werden. 

Bodenarbeitsposition (2) 

Der Mensch läuft nun rückwärts vor dem Pferd. Das Pferd bewegt sich nun auf den Ausbilder zu und soll sich immer auf dessen Zentrum (Oberkörper) ausrichten. Bei den meisten Pferde-Mensch-Paaren ist das ca. auf Höhe des Bauchnabels. 

Zu Beginn kann das Rückwärtslaufen ganz schön anstrengend und herausfordernd sein. Der Ausbilder muss lernen, sich selbst auszubalancieren, das Gleichgewicht zu halten und sich im Raum zurecht zu finden. 

Der Vorteil der Bodenarbeits- oder Frontposition: Der Ausbilder verschafft sich einen guten Überblick
Der Vorteil der Bodenarbeits- oder Frontposition: Der Ausbilder verschafft sich einen guten Überblick

Außerdem sollte er gleichzeitig das Pferd analysieren und erkennen, wo das Pferd seine Unterstützung braucht. Da haben wir ganz schön viel auf einmal zu tun! Mit der Zeit, durch häufige Wiederholungen, wird es aber bald wie von alleine gehen! 

Ein kleiner Tipp: Es hilft, das Rückwärtslaufen auch ohne Pferd im Alltag zu üben!  

Wenn wir uns rückwärts vor dem Pferd auf der linken Hand am Zirkel bewegen, hält man in der linken Hand den Karabiner der am Kappzaum befestigt ist, bzw. lässt man zu Beginn auch etwas mehr Abstand zwischen sich und dem Pferd. Mit der rechten Hand werden die restlichen Schlaufen vom Seil und die Gerte gehalten. Die Gerte kann genau dort eingesetzt werden, wo sie gerade benötigt wird, vorwiegend und in der Basisausbildung dient die Gerte als innerer Zügel und innerer Schenkel. Die Verwendung der Gerte als äußerer Zügel und äußerer Schenkel wird dann etwas später etabliert.

Das Verständnis um die Sekundarhilfen ist für die Ausbildung des Pferdes bedeutend.
Die wichtigste Zutat für Traversalen: Beide Tanzpartner müssen die Sekundarhilfe Gerte verstehen!

In dieser Position können wir das Pferd sehr gut beobachten und lernen zu interpretieren! Wir entwickeln einen Blick für die Bewegung des Pferdes und entwicklen ein Gefühl für das Timing der Hilfengebung, wann, in welchen Moment, man Hilfen am besten gibt.

Nehmen wir an, wir bewegen uns weiterhin auf dem linken Zirkel. Das Pferd fußt mit dem linken Hinterbein nicht zum Schwerpunkt, sondern immer etwas Richtung Zirkelmitte. Der Ausbilder kann nun das linke Hinterbein im Abfußmoment mittels der Gerte engagieren. Manchmal reicht ein Zeigen in Richtung Schenkellage, manchmal ein Fächern mit der Gerte oder ein sanftes Touchieren, um das Pferd dazu auffzufordern mehr unter seine Masse zu treten. Es ist wichtig, die Sekundarhilfe Gerte im richtigen Moment ein zu setzen, da das Pferd, wenn es mit seinem ganzen Gewicht auf dem linken Hinterbein steht nicht korrekt und dem Wunsch des Ausbilders entsprechend reagieren kann. So lernt das Pferd nach und nach das Hinterbein korrekt zu platzieren. 

In dieser Position kann vor allem die äußere Schulter besser korrigiert werden als in der seitlichen Führposition, da sie besser gesehen wird und die Korrektur leichter fällt. Die Gerte kann in dem Fall nach außen an der Brust des Pferdes vorbei in Richtung äußeres Buggelenk geführt werden und das Pferd auffordern sein Gewicht etwas vom äußeren Vorderbein zu nehmen. Eine sehr gute Übung zu dem Thema ist den Zirkel zu verkleinern und zu vergrößern. Dabei ist darauf zu achten, dass das Pferd nicht über ein Vorderbein nach innen oder außen „driftet“ und dann die jeweilige Gliedmaße zu stark belastet.

In der Bodenarbeitsposition wird vor allem im Stand und im Schritt gearbeitet. Wer es fortgeschritten mag, schafft es aber auch im Trab und sogar im Galopp! Grundsätzlich ist aber eine Ausbildung einer gemeinsamen Sprache in der Bodenarbeit das vorrangige Ziel. Es geht um eine korrekte Formgebung und das Etablieren der verschiedenen Hilfen. 

Die wichtigsten Übungen in dieser Führpsoition sind: Stellung und Biegung im Stand und in der Bewegung sowie das korrekte Platzieren der Hinterbeine. Pferd und Reiter lernen mittels Sekunarhilfe Gerte den inneren und äußeren Zügel, sowie den inneren rund äußeren Schenkel verstehen und interpretieren.

Die Vorteile dieser Führposition sind:

  • ïRückwärtslaufen stärkt uns mental! Das Rückwärtslaufen führt zu neuer Synapsenbildung im Gehirn.
  • ïHüft- und Rückenmuskulatur des Ausbilders werden gestärkt und die Belastung der Gelenke ist geringer da wir über den Fußballen abrollen. Wir trainieren somit nicht nur unsere Pferde sondern auch uns selbst. 
  • ïDer Mensch hat das ganze Pferd im Überblick und kann so Bewegungsabläufe beobachten und lernen, seine Hilfen dementsprechend zu koordinieren.
  • ïDie Hinterbeine und Schultern des Pferdes können aus dieser Position sehr gut beobachtet werden. 
  • ïOb die Stellung richtig ist lässt sich aus dieser Position gut erkennen.

Die Nachteile dieser Führposition:

  • ïDie Herausforderung liegt vor allem zu Beginn im oftmals noch unkoordinierten Rückwärtslaufen des Menschen. Zu Beginn kann es helfen Hütchen aufzustellen, damit man sich besser orientieren kann!
  • ïEin Nachteil ist sicher, dass  überwiegend im Schritt gearbeitet wird. Trab und Galopp benötigen für die Frontposition vor dem Pferd ein höheres Maß an Versammlung und sind daher Fortgeschrittenen vorbehalten. 
  • ïManche Pferde fühlen sich bedrängt oder ausgebremst und reagieren dann mit Schnappen oder Unruhe. Vielleicht wird es im Laufe der Zeit durch Gewöhnung besser, ansonsten wechselt man lieber in eine andere Führposition wo sich Mensch und Pferd wohlfühlen! 
  • ïWenn ein Pferd schon einen schlechteren Rückenschwung hat wirkt sich diese Position eventuell verschlechternd auf die Bewegungsqualität aus, wenn der Ausbilder zu stark bremsend vor dem Pferd unterwegs ist. 
  • ïMan wird bei einem langsamen Pferd verleitet, es an der Longe „nachzuziehen“. 
  • ïDie natürliche Schiefe wirkt sich auch auf den rückwärts laufenden Reiter aus und umgekehrt.
  • ïWichtig! Vor lauter Konzentration kann es sogar passieren, dass der Mensch zum Passgänger wird. 

Longierposition (3) :

Das Pferd soll lernen, sich korrekt auf einer Zirkellinie in allen drei Grundgangarten zu bewegen. Ohne Hilfszügel versteht sich natürlich von alleine!

In der Longierposition führt der Mensch das Pferd auf Höhe des inneren Schenkels, der Schwierigkeitsgrad erhöht sich mit der Distanz zum Pferd Stück für Stück. Zu Beginn befinden wir uns noch relativ nah am Pferd, zur erstem Orientierung kann man in etwa eine Gertenlänge Abstand wählen, so kommt man bei Bedarf mit der Gerte schnell ans Pferd. 

Wie kommt man in die Longierposition? Am leichtesten ist es, wenn man das Pferd aus der Seitlichen Führposition von sich weg longiert. Man schickt das Pferd mit der Gerte, Richtung Schulter zeigend oder auch in der Luft fächernd, auf den Zirkel und achtet penibel darauf, sich selbst und die Energie zu reduzieren, sonst wird die Distanz zwischen Pferd und Ausbildner nicht größer, wenn man das Pferd zu stark begleitet. Am Anfang kann es helfen, einen Pylonen auf dem Zirkelmittelpunkt zur Orientierung zu nutzen. Dies hilft auch bei der Einhaltung eines „runden“ Kreises.  

Stillgestanden? Mitnichten. Wir bewegen uns gemeinsam mit dem Pferd auf einer Kreislinie vorwärts und unterstützen es mit unseren Hilfen dort, wo es uns gerade braucht. Die Arbeit am Zirkel ist für das Pferd nichts Natürliches; es muss erst lernen diese Herausforderung zu meistern. In der Arbeit vom Boden aus, egal in welcher Position, geht es darum, dass das Pferd uns spiegelt. Würden wir nur still und starr in der Mitte stehen dann würde ein Akademisch ausgebildetes Pferd auch stehen. Es ist also wichtig uns unserer eigenen Körpersprache bewusst zu sein und diese gezielt einzusetzen. Gleichzeitig ist es natürlich auch wichtig, dass der Ausbilder mit der Zeit die Hilfen reduzieren kann, das Pferd soll selbstständig beispielsweise eine Gangart beibehalten. Wenn man quasi sportlicher unterwegs ist als das Pferd und dieses ständig animieren muss, ist auch etwas schief gelaufen. 

Longieren
Longieren

Wenn das Pferd mit der Zeit sicher an den inneren Hilfen ist, haben wir auch die Möglichkeit mit einem ersten Schritt auf die Geraderichtung des Pferdes einzuwirken, indem wir auch die äußeren Hilfen hinzufügen. Nun können wir die Vorhand auf die Hinterhand und umgekehrt ausrichten. 

Im Fortgeschrittenen Longieren ist es möglich mit dem Pferd alle Seitengänge und auch versammelnden Lektionen zu arbeiten. 

Die Vorteile dieser Führposition:

  • Ein wunderbares Tool um ein Pferd in allen Grundgangarten zu schulen OHNE, dass es das Reitergewicht tragen muss! Auch Übergänge und Tempokontrolle lassen sich in dieser Position gut erarbeiten.
  • Da der Mensch sich nicht unmittelbar neben dem Pferd befindet, hat das Pferd die Möglichkeit eine Hilfe falsch zu beantworten, sich zu entziehen oder vielleicht auch die Kommunikation zu verweigern. Es kann NEIN sagen, wenn es sich zu sehr unter Druck gesetzt fühlt. Aber ist das nicht ein Nachteil? Nein, denn für den Ausbilder ist es immer ein Vorteil, sich auf Ursachenforschung zu begeben. Hier wachsen wir als Ausbilder am Meisten. 
  • Das Pferd hat die Chance, den echten Stand seiner Fähigkeiten zu zeigen. Auf dem Zirkel werden also nur Dinge funktionieren die sowohl Pferd und Mensch verstanden haben. Das Longieren ist also eine gute Überprüfung! 
  • Das Pferd hat mehr Selbstverantwortung.
  • Man kann zwischen der Bodenarbeitsposition und Longierposition gut wechseln.
  • Das Pferd muss sich nicht dem Tempo des Menschen anpassen und kann die Gangart in seinem Tempo wählen. Dies hat wiederum Vorteile für den korrekten Rückenschwung. 

Die Nachteile dieser Führposition:

  • Der Mensch kann das Pferd nicht mehr so genau beeinflussen aufgrund der Distanz.
  • Wird häufig verwendet, um das Pferd mal schnell zu bewegen bzw. es vor dem Reiten müde zu machen. Das hat nichts mit Longieren zu tun! 
  • Es verleitet viele Menschen dazu, ihr Pferd in viel zu hohen Tempo zu zentrifugieren. Manchmal passiert es auch, dass das Tempo unbewusst zu hoch gewählt wird.

Handarbeitsposition (4):

Man unterscheidet zwischen zweihändig und einhändig von innen oder außen geführter Handarbeit. Dieses Tool setzt schon eine gewisse Grundkenntnis und Verständnis der Hilfengebung voraus, da der Schwierigkeitsgrad deutlich höher ist. Der Ausbilder muss sich seiner Körpersprache bewusst sein und gezielt handeln können.

Die Handarbeit dient vor allem der Ausbildung der Hand des Reiters. Dieser lernt dadurch in das Pferd zu spüren, Informationen aus der Hinterhand wahrzunehmen. Was hat das Hinterbein gemacht bzw. eben nicht getan. Es geht also um eine deutliche Informationsaufnahme und Abgabe! Aber auch das Pferd lernt die Hand und ihre Hilfengebung besser zu verstehen.

Stellen wir uns vor, wir befinden uns in der Handarbeitsposition von innen geführt und das Pferd fällt uns ständig über die äußere Schulter und vergrößert dabei unbeabsichtigt den Zirkel. In dieser Situation kann man versuchen in die Handarbeit von außen geführt zu wechseln, weil man durch die Platzierung seines eigenen Körpers schon begrenzend wirkt. Man verwandelt sich also in eine gute, rahmende äußere Hilfe. 

Die Vorteile dieser Position:

  • Dient vor allem dazu, Inhalte zu schulen, die sich der Bearbeitung der Hinterhand widmen
  • Ausbildung, Schulung und Verbesserung der Reiterhand und dem Pferd die Hand erklären ohne es mit dem Gewicht des Reiters zu stören.
  • Im Gegensatz zu der Pilarenarbeit (keine Gefahr durch Anbinden der Pferde in Pilaren) kann man das Pferd immer wieder ins Vorwärts arbeiten. 

Die Nachteile dieser Führposition:

  • Vorkenntnis benötigt!
  • Es ist mit vier Zügeln am Anfang ganz schön kompliziert.
  • Schulterkontrolle kann sich als schwierig herausstellen. 
  • Größenverhältnis von Mensch und Pferd ist nicht immer ideal für diese Position.  
  • Der Ausbilder selbst benötigt eine gute Kondition. 

Langzügelposition (5): 

Man unterscheidet zwischen drei verschiedenen Positionen in der Langzügelarbeit. 

  1. 1.Position direkt neben der inneren Hüfte
  2. 2.Direkt hinter dem Pferd
  3. 3.Position direkt neben äußeren Hüfte

Das Pferd wird mit der Longe geführt, diese wird sukzessive um Langzügel. Der Langzügel kann als direkter Zügel (direkte Einwirkung auf Stellung) oder indirekte Zügel (Führung der Schultern) wirken. Auch die Gerte kann genau dort eingesetzt werden, wo sie der Ausbilder braucht. Wird der Langzügel als innerer Zügel geführt, unterstützt die Gerte als äußerer Zügel, oder als äußerer Schenkel, oder innerer Schenkel, um die Biegung zu verbessern. 

Das Fundament für die Arbeit am Langzügel bilden in der Akademischen Reitkunst die anderen Positionen. Denn nur wenn die Basis solide erarbeitet, kann sich an die Königsdisziplin wagen. 

Diese Position hat es in sich und sollte auf keinen Fall ohne gute Vorarbeit versucht werden. Man befindet sich direkt in der „Schusslinie“der Hinterbeine und das birgt die Gefahr bei fehlerhaftem Verhalten getroffen zu werden. Wer sich also fragt: „Sollte ich überhaupt mit dem Langzügel arbeiten“, gibt sich meist schon selbst die Antwort, da offensichtlich Vertrauen und Können noch geschult werden müssen. 

Die Vorteile dieser Führposition:

  • Man hat einen guten Blick auf das gesamte Pferd.
  • Diese Position macht ein gezieltes Einwirken auf die Hinterhand möglich.
  • Dient als Überprüfung der Qualität der vorausgegangen Arbeit. 

Die Nachteile dieser Führposition:

  • Wenn das Pferd nicht ausreichend geschult ist, birgt die Position Gefahren für den Ausbilder. 
  • Bei der Position neben der inneren Hüfte muss  der Ausbilder aufpassen, die Hinterhand nicht unbeabsichtigt nach draußen zu „schupfen“
  • Bei der Position neben der äußeren Hüfte muss man aufpassen, um ein Ausfallen der Hinterhand nach innen zu vermeiden.

FAZIT

All diese Positionen bergen Vor. und Nachteile. Die oben genanten Aufzählung ist sicherlich nicht komplett, fasst aber die wesentlichen Punkte zusammen. Wer als Ausbilder alle Positionen kennt und beherrscht, erweitert nicht nur sein eigenes Repertoire im Werkzeugkoffer der Ausbildung, auch das Pferd lässt sich so am Besten schulen und unterstützen, da zahlreiche Facetten zur Verfügung stehen. Freilich lässt sich nicht jede Position zu Beginn der Ausbildung wählen. 

Die ist jedoch der wesentliche Aspekt der Pferdeausbildung: Es ist wichtig immer individuell von Pferd zu Pferd und Mensch zu Mensch zu entscheiden. 

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