Mitte September 2020 gab es eine Kurspremiere mit Anna Eichinger am Horse Resort „am Sonnenhof“ und eins kann ich schon verraten – es war großartig! Alle Kursteilnehmer waren begeistert und jeder hatte seinen ganz großen Erfolgsmoment! 

Annas Stärke ist Dinge auf den Punkt zu bringen und verständlich zu formulieren.

„Wenn wir einfach und verständlich formulieren, dann können wir auch gute und einfache Rezepte zum Reiten schreiben. Wenn wir uns über die Zutaten, Menge, also Quantität und Qualität der Hilfengebung einig sind und auch – ganz wichtig – über das Timing der Hilfen, dann wissen wir speziell in Übergängen auch, wann was zu tun ist.“

Übergänge von der Theorie zur Praxis: 

Der Kurs startete mit einem einstündiger Theorievortrag über Übergänge, stimmte uns so auf die nachfolgenden Einheiten mit Pferd ein. Denn wer die Theorie versteht wird sich in der Praxis leichter tun. 

Zuerst galt zu klären welche Übergänge es überhaupt gibt und warum wir diese in unserem Training mit dem Pferd nutzen sollten. Gemeinsam begaben wir uns auf die Suche nach den verschiedenen Übergängen und kamen zu diesem Schluss:

Übergänge zwischen den Gangarten! Gefühlvoll rauf und runter ohne den Bewegungsfluss zu verlieren!

  • Übergänge von einer niedrigeren Gangart in eine höhere Gangart und von einer höheren Gangart in eine niedrigere Gangart. Zum Beispiel vom Schritt in den Trab oder vom Trab in den Schritt.
  • Mehrstufige Übergänge wie zum Beispiel vom Halt in den Trab oder vom Galopp in den Schritt. 

Übergänge innerhalb einer Gangart

  • Diese Art von Übergängen helfen uns bei der Auseinandersetzung mit: Balance, Durchlässigkeit, Losgelassenheit, Tempo, Takt und Schwung sowie der Formgebung. 

    Der Reiter stellt sich dabei folgende Fragen:
  • Wie genau kann ich diesen Übergang gestalten? Das gibt Aufschluss über den aktuellen Ist-Stand der Ausbildung. Wie gut ist mein Pferd an den Hilfen?
  • Kann ich mein Pferd etwas zurücknehmen ohne dabei die wesentlichen Elemente der Ausbildung zu verlieren – beispielsweise die Balance und Geraderichtung? Bleiben Tempo und Takt erhalten?
  • Kann ich mein Pferd vorwärts reiten ohne dass es mir gegen die Hand schiebt und auf die Schultern fällt? 

Übergänge zwischen den verschiedenen Schwungrichtungen 

  • Wie gut klappen die Übergänge zwischen versaler und traversaler Schwungrichtung? 
  • Wie genau richte ich dazwischen gerade? Bleibt das Pferd dabei in der Form? 
Vollblüter Moon mit Julia in der versammelnden Arbeit an der Longe

Übergänge zwischen den Schulgangarten

  • Ein Beispiel für einen solchen Übergang wäre beispielsweise ein geschmeidiger Übergang zwishcen Schulschritt und Piaffe 

Die Theorie war sehr interaktiv und jeder konnte sich mit Fragen und Erfahrungen einbringen. So diskutierten wir auch, für wen die Übergänge von einer niedrigeren Gangart in eine höhere Gangart schwerer sind und umgekehrt. Die meisten Kursteilnehmer empfinden das „raufschalten“ leichter als das „runterschalten“. 

Ein paar Ausnahmen gab es aber, Martina mit ihrem wunderschönen Lusitano Wallach Mio gelingen die Übergänge in eine niedrigere Gangart besser. Dazu muss man aber auch sagen, dass Mio sich sehr gut auf die Hanken setzen und somit gut entschleunigen kann. 

Meinem Pferd und mir gelingen die Übergänge in eine höhere Gangart besser. Ich bin stolze Besitzerin eines Englischen Vollbluts. 

Die Grundgangarten 

Wer Übergänge auf den Punkt in vollster Präzision reiten möchte, muss sich unweigerlich mit den Bewegungsphasen in allen Grundgangarten befassen. Nur wer sich dieser ganz bewusst ist kann gezielt im besten Moment die Hilfe setzten. Wenn wir wissen, wann welches Hinterbein wo unterwegs ist, dann können wir auch die Übergänge leichter und flüssiger einleiten und tatsächlich beginnen, die neue Gangart zu reiten und nicht mit der alten Gangart einfach aufhören.

Anna projizierte alle Phasen jeder Gangart mit Hilfe eines Beamers auf die Wand so dass man sich die Fußfolgen in Ruhe und genau anschauen konnte.

Harmonie zwischen Lipizzanerstute Bartonia und Heike in der Handarbeit.

Der Schritt

Der Schritt ist ein Viertakt und besteht aus 8 Phasen der Vorwärtsbewegung wobei zwischen Dreibeinstütze und Zweibeinstütze abgewechselt wird. Die Fußfolge ist diagonal oder gleichseitig. 

Was gleich ins Auge stach: eine Phase des Schritts sieht aus wie eine Phase des Trabs. 

Der Trab 

Der Trab ist eine Bewegung im Zweitakt mit vier Phasen und einem Moment der freien Schwebe. Ein diagonales Beinpaar wird jeweils gleichzeitig vorwärtsbewegt und aufgesetzt. 

Der Galopp 

Der Galopp ist eine Bewegung im Dreitakt mit sechs Phasen.

Anna hat ein tolles Video für uns vorbereitet damit wir ganz genau beobachten können wann das Pferde in welchem Moment die neue Gangart einleitet. Dafür hat sie ihren tollen Lipizzanerwallach Conversano alias Konrad an der Longe gefilmt. 

Was macht Konrad in welchem Übergang? – Das Timing bestimmt den Übergang!

1. Übergang vom Halt in den Schritt

Wenn das Pferd absolut geschlossen steht, dann suche ich mir ein Hinterbein aus, mit dem ich die Bewegung einleiten möchte. Wenn das Pferd aber zB mit dem rechten Hinterbein etwas weiter nach hinten verlagert steht, noch dazu im Idealfall als äußeres Hinterbein, dann wird das äußere Hinterbein die Bewegung einleiten. Der äußere Schenkel fungiert dann als direkter Schenkel, der innere Schenkel biegt um sich herum und übernimmt, als direkter Schenkel, das innere Hinterbein im Moment des Abfussens.

2. Übergang vom Schritt in den Trab

Beim Übergang vom Schritt in den Trab, laden wir das innere Hinterbein ein, etwas schneller vom Boden abzufußen und treiben zB das linke Hinterbein parallel zum Takt des rechten Vorderbeins dazu.

3. Übergang vom Trab in den Linksgalopp

Der Galopp wird vom äußeren Hinterbein eingeleitet, die Diagonale zwischen innerem Hinterbein und äußerem Vorderbein bleibt erhalten. Für den Reiter sind die Hilfen wie folgt: Ein gutes Timing für den Linksgalopp ist, die Parade auf das innere Hinterbein zu geben, also auch ein wenig aufs innere Hinterbein hin zu versammeln und die Galopphilfe auf den Abfussmoment des äußeren Hinterbeins zu legen. Der Galopp wird vom äußeren Hinterbein eingeleitet, die Trabdiagonale bleibt erhalten, durch die Lastaufnahme rechts hinten wird auch ein vorwärts-aufwärts nach rechts vorne erzeugt. Das Einleiten der Galopphilfe startet, wenn das innere Hinterbein vor schwingt.

4. Übergang vom Galopp in den Trab

Wenn wir in den Trab übergehen wollen ist auch jene Phase interessant, in der ein diagonales Beinpaar am Boden steht. in diesem Moment leitet die Parade eine Entschleunigung und Beugung der Hinterhand ein – von der einen Diagonalen geht es in die nächste – den Trab über.

5. Übergang vom Trab in den Schritt

Ähnliches beobachten wir beim Übergang vom Trab in den Schritt. Das Pferd wird den Zweitakt im Trab nutzen, um in jener Phase des Schritts über zu leiten, wo ebenso ein Zweitakt zu finden ist. Danach löst sich der Zweitakt in den Viertakt auf. Häufig fängt das innere Vorderbein den Schub von hinten auf, im schlimmsten Fall wird das Bein sogar rückständig und bremst die Schwingung von hinten ab. Das Ziel wäre, die Vorderbeine und Schulter durch die Arbeit mit den Paraden leicht zu erhalten, der Schub darf quasi nicht am Widerrist abprallen, die Pferde stolpern dann in den Übergang. Besser: Die Trabdiagonale bleibt etwas länger stehen, also zB links hinten und rechts vorne, es bremst das rechte Hinterbein und nimmt Last auf, der Rhythmus verändert sich, die Diagonale bleibt kaum merklich etwas länger in der Standbeinphase, dann folgt der Übergang in den Viertakt des Schritts.

6. Übergang vom Schritt zum Halten

Einer der schwierigsten Übergänge. Hier benötigt das Pferd ein sehr gutes Verständnis für die Parade. Die Schulung der Hilfengebung erfolgt zuerst vom Boden, dann vom Sattel. Der Reiter soll immer die Vorstellung haben, eine neue Gangart zu beginnen – nicht die gerittene Gangart zu beenden – das gilt vor allem auch für den Übergang in den Stand, zum Erhalt von Energie.

Übergänge in der Praxis

Nach der aufschlussreichen Theorie folgten insgesamt 16 Einheiten mit Pferd, natürlich unterbrochen mit einer Mittagspause in der sich alle mit einer leckeren Kürbiscremesuppe stärken konnten. Die unterschiedlichsten Pferde-Mensch-Paare arbeiteten mit Anna in Boden-, Longen- sowie Handarbeitsposition und natürlich auch geritten an den unterschiedlichsten Übergängen. 

Martina und Mio

„Für Mio und mich standen in der ersten Einheit in der Handarbeit Übergänge zwischen (Schul-) Schritt und Galopp sowie vom Schulhalt in den Galopp am Programm. Am Nachmittag arbeiteten wir unter Sattel an Seitengängen, Übergängen zwischen Versammlung und Vorwärts. Auch am Sonntag, wollten wir die große Halle am Sonnenhof für einen Ritt nutzen und schauten uns Übergänge zwischen Schulterherein, Kruppherein sowie vom Handgalopp in den Außengalopp an. Mio, eigentlich ein unscheinbarer Typ, LIEBT das Publikum und wird auf Kursen oft 3 Zentimeter größer. Aber an diesem Wochenende wuchs er über sich hinaus. Vor 5 Jahren saß ich auf unserem ersten Kurs auswärts auf einem Pferd, das alle Einheiten nur gebrüllt und gezittert hat vor lauter Aufregung. An diesem Wochenende war er so bei mir, wie noch nie. So gerne wollte er noch mehr zeigen, noch mehr geben, noch mehr beeindrucken. Ich bin sicher, das ist ihm gelungen! Und ich für meinen Teil, verneige mich vor meinem Pferd. Wenn man so viel alleine dahin „tingelt“, merkt man oft gar nicht, welche Entwicklung man mit seinem Pferd durchlebt. Nach diesem Kurs ist es mir wieder einmal richtig stark bewusst geworden.“

Ich kann Martina nur zustimmen. Die zwei sind durch die Halle getanzt, ein wahrer Traum. Ich bin beeindruckt von eurer Arbeit. Ihr habt wahrhaftig großes geleistet. `

Sandra und Amadeus

Die Zwei sind schon seit 4 Jahren meine Schützlinge und ich bin froh, sie begleiten zu dürfen. Alle die Amadeus und Sandra kennen, wissen was für eine innige und schöne Beziehung sie haben. Sie begegnen sich stets auf Augenhöhe und das „gute Gefühl für einander“ darf nie zu kurz kommen. 

Der Übergang zu Kunst – Sandra ohne Einwirkung der Hand am Kappzaum überprüft die Selbstständigkeit der Formgebung

Das Kurshighlight für die Zwei war bestimmt, dass Sandra geritten ist und das ohho! In den letzten Jahren hat Sandra ihre Zeit mit Amadeus aufgrund körperlicher Probleme am Boden verbracht doch mittlerweile ist Amadeus fit und stark genug.

Der Fokus lag auf den Schritt – Trab Übergängen. Sandra sollte bewusst über ihren Sitz versuchen die Übergänge zu reiten und so wenig Sekundarhilfen wie nötig verwenden. Auch die Übergänge innerhalb des Trabes wurden ausprobiert. Die Kunst bei Amadeus besteht darin, dass er auch bei veränderter Formgebung der Oberlinie Sandra weiterhin bequem sitzen lässt und seine Hinterbeine weich und geschmeidig bewegt. 

Auch die Übergänge vom Schulterherein zum Kruppeherein nutzen die Zwei um Amadeus Formgebung zu verbessern und auch die Lastaufnahme der einzelnen Hinterbeine zu fördern.

Eva und Idolo

Ich bin sprachlos. Wer Ide kennt weiß, er war nicht immer so entspannt und konzentriert wie jetzt. Die Zwei haben das Publikum verzaubert. 

Gerne hat Ide in der Schulparade stets ein Hinterbein entlastet und hinten rausgestellt. Mit Hilfe des Schulschritts konnte Eva jedoch beide Hinterbeine sehr gut nach vorne arbeiten und eine gleichmäßige Lastaufnahme erzeugen. Nach und nach durch das Zufügen von Paraden und dem weiteren Ansprechen der Hinterbeine nach vorne, die Idee einer ersten Levade in Idolo reif. Geplant und in mentaler und physischer Balance. Wir alle waren wahrhaftig beeindruckt und den Tränen nahe.

Kati und Beti 

Die zwei haben in der Handarbeit geglänzt wie noch nie zuvor. Beti hat unglaubliche Ideen von Piaffe und Schulgalopp gezeigt da waren alle sprachlos. Anna hat durch ihr Fingerspitzengefühl aus den beiden Mut zu „Mehr“ herausgeholt und das Ergebnis hat das Publikum vom Hocker gehauen! 

Kati und Anna mit der Lipizzanerstute Beti

Julia, Moon und Amena

Ich bin begeistert von meinem liebsten Moon. Das schließen der Gelenke fällt ihm nicht so leicht doch er hat sich wahnsinnig bemüht und vor dem Publikum brilliert. Wir haben ein Longenbalett piaffierend gezeigt. Am meisten beeindruckt, hat es mich wie wenig ich doch nur mehr machen muss. Anna hat mich ermutigt Moon mehr in die Eigenverantwortung zu überlassen und siehe da, es hat sich gelohnt! Frei von jeglichem Druck wurden die Bewegungen noch schöner und leichter. Ein Gefühl von Vollkommenheit. 

Amena und der erste Trab vor Publikum. Er überzeugt stets mit seiner Souveränität und Gelassenheit, seinem freundlichen und aufgeschlossenen Wesen. Selbstsicher und mit einem Wahnsinns Taktgefühl zieht er alle in seinen Bann und das schon mit seinen gerade einmal 4 Jahren. Ich Glückspilz, dass ich bei der Ausbildung von Amena dabei sein darf! 

Elli und Octavius

Elli und Otto haben miteinander gesprochen und sich so einigen können wie man den Zirkel am besten bewältigt. Immer selbstsicherer bewegen sie sich gemeinsam fort. Balance, Formgebung, Durchlässigkeit und Schwung wurden durch korrekte Hilfengebung in den Übergängen immer besser. Weiter so, ihr macht das großartig!  

Jana und Picasso 

Picassos Rückenschwung ist durch richtig getimte Übergänge an diesem Wochenende von bester Qualität gewesen. Leichtfüßig tanzten die Beiden sich durch Schulschritt – Galoppübergänge. Und konnten ihr ganzes Können unter Beweis stellen. 

Jaana und Serenade

Wow, Jaana und Serenade haben ihre zwei Einheiten geritten verbracht und was soll ich sagen, ich bin begeistert. Ganz ohne Hilfe vom Bodenpersonal konnten die Zwei selbständig die Seitengänge bestreiten. 

Heike, Bartonia und Austria

Bartonia verzauberte das Publikum in der Handarbeit. Alle waren sprachlos. In vollkommener Harmonie wunderbar begleitet von Annas Unterricht konnten die Zwei sich in der Piaffe versuchen und entwickelten ein tolles Gefühl wie sich Versammlung anfühlt. 

Austria war etwas aufgeregt und trotzdem schenkte sie Heike Schulterherein in feinster Qualität. Toll! 

Veronika und Smoky

Veronika und Smoky hatten ihr Kursdebüt. Die Aufregung konnte man ihnen gar nicht ansehen und konnten schlussendlich die Übergänge zwischen den Gangarten nur aus dem Sitz heraus reiten, ganz tolle Arbeit! 

Über sich hinausgewachsen sind ALLE, an diesem Kurswochenende sowohl Pferde als auch Menschen. Anna hat mit ihrem tollen Feingefühl jeden einzelnen dort abgeholt wo er gerade steht und hat aus jedem herausgeholt was in ihm steckt. Das Niveau auf dem gearbeitet wurde war beeindruckend. Die Pferde haben getanzt und sind vor lauter Stolz aufgeblüht wie nie zuvor. 

Danke liebe Anna für dieses wirklich beeindruckende Kurswochenende! Du motivierst und begleitest jeden Einzelnen mit voller Freude. Du gibst bei jedem das Beste! Jeder fühlt sich bei dir gut aufgehoben egal ob man an Schulgangarten übt oder ganz banal wie man sich auf dem Zirkel bewegt.  

Wir freuen uns auf eine Wiederholung mit dir! 

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