Wie geht es eigentlich dem Konrad“? „Wie geht es dem Amena“? 

Gut, dass meine Stuten nicht mithören, denn wenn ich unterwegs bin, werde ich immer sofort nach meinen Lipizzaner Buben gefragt. Konrad (Conversano Aquileja I) und Amena (Maestoso Amena I) haben sich als wahre Herzensbrecher erwiesen. 

Die Verbindung steht

Manchmal, wenn ich Abends spät nach Hause komme oder auf meinen Touren unterwegs bin, dann packt mich die Sehnsucht. Ich habe mich sogar mal bei dem Gedanken ertappt, dass ich meinem Konrad noch gerne eine SMS geschrieben hätte. Aber leider – ein Smartphone hat er nicht. 

Dafür haben wir eine ganz andere Verbindung, ohne Funklöcher und Sendeausfall. Als ich Konrad im April 2017 auf der Website der Spanischen Hofreitschule entdeckt habe, war es schon um mich geschehen. Ich war davon überzeugt, dass Konrad „mein“ Pferd ist. Konrad war beim ersten Kennenlernen davon überhaupt nicht überzeugt. Er hat ein wenig „gefremdelt“. Als wir uns dann in der Pferdeklinik nach der Kastration wieder getroffen haben war das Eis jedoch sofort gebrochen. 

In den ersten zwei Jahren haben wir uns vorwiegend am Boden beschäftigt, doch heuer im Herbst wurde es „ernst“. Konrad hat eine Schultüte – äh – einen Sattel bekommen. 

Meine Tabby hatte ich vierjährig – bereits angeritten kennen gelernt. Konrad war ja komplett „roh“. Wir haben uns also alles gemeinsam am Boden erarbeitet – und ich hatte nie Zeitstress. Konrad ging es sowieso immer zu langsam. War eine Einheit zu kurz, stand er am Zaun und wollte nochmal zurück. Unsere ersten Versuche „drauf zu sitzen“ waren dermaßen unspektakulär. Wir haben oft und lange die Aufstieghilfe erkundet, geübt Kekse über den Rücken zu nehmen und Konrad hat begeistert Dualgassen in der Gegend herumgetragen. Es hat ihn nie gestresst und er war eigentlich immer sehr stolz auf sich selbst. 

Nach und nach testen wir nun, ob wir alles, was wir uns in 

  • Bodenarbeit
  • Longenarbeit
  • Crossover und
  • Handarbeit 

erarbeitet haben, in den Sattel mitnehmen können. Die ersten Male aufsitzen habe ich mir selbst nicht nehmen lassen. Hier waren wir mit Filzsattel oder Schulungssattel unterwegs und wurden geführt. Aber recht schnell haben wir am langen Zügel ganz alleine eine Runde durch die Halle gedreht. 

In der Ausbildung der Hilfengebung habe ich mir Hilfe geholt. Meine liebe Kollegin Julia Kiegerl und meine Schülerin Jana, die Konrad ins Herz geschlossen hat, durften auf dem Rücken meines braven Buben Platz nehmen. Und Konrad hat sofort verstanden. Julia und Jana haben die Hilfen für das Lösen um den inneren Schenkel im Stehen gegeben – ich war fast schon überflüssig als unterstützende Person vom Boden aus. Stellung, Biegung ein bisschen den Schwerpunkt in Richtung Hinterhand nehmen – alles kein Problem. 

So ließen sich alle Hilfen ganz rasch in die Selbstständigkeit übertragen. 

Ich habe bei Konrad noch immer das Gefühl, Reiten ist ein „Event“, einfach weil wir es so selten tun und dann wahrlich zelebrieren. Es gibt Wochen, da spielen wir nach wie vor ausschließlich am Boden – vor allem haben wir uns in der letzten Zeit sehr mit der Genauigkeit im Crossover und der Handarbeit beschäftigt. Konrad ist immer sehr begeistert, wenn er dabei zeigen kann, wie gut er sich doch versammelt. Wenn am Vortag Versammlung dran war, dann kommt er sofort an den Zaun gelaufen, wenn ich ihn rufe. Was ihm nicht gefällt ist „langweiliges Longieren“. 

Wir gehen – wenn es die Witterung zulässt im Wald spazieren und „kraxeln“. In den Wintermonaten steht die „Diätgruppe“, in der Konrad wohnt eher bequem an der Raufe. Ist es dann im Wald noch dazu matschig, sorge ich in unserer großen Halle für Bewegung. Dann joggen wir  beide durch den Sand. Wenn ich mit renne, dann hat das ja noch Bewegungsqualität (für mich und meine Fitness auf jeden Fall). Aber auf große Distanz longieren, ohne einen Partner, der mit ihm tanzt, das findet Konrad sehr, sehr langweilig. 

Wenn er etwas nicht mag, dann zeigt er auch sehr deutlich, was er davon hält. 

Teenager Jahre

Was im Winter noch dazu gekommen ist? Die Pubertät.
Diese zeigt sich bei Konrad in einer großen Unsicherheit. Seit seinem Einzug am Sonnenhof war Konrad immer sehr „bodenständig“, sehr geerdet, mutig, neugierig und in sich ruhend. Er war von Anfang an ranghoch und ist in der Diätgruppe auch unangefochten der „Chef“. Dafür hat es aber auch nie Keilereien oder Diskussionen gebraucht. Ein Blick genügte – und Konrad hatte die Dinge geklärt. 

Nun, mitten im Wachstum und mehr und mehr Teenager wurde Konrad etwas unsicher. Er ist nach wie vor Chef, aber er nimmt seine Aufgabe nicht mehr so mit Leichtigkeit. Sein bester Freund PRE Idolo fühlt sich einsam und wiehert nach Konrad? Da hätte doch früher kein Hahn danach gekräht. Jetzt ist Konrad besorgt und unruhig, wenn er spürt, dass seine kleine Herde nervös oder unruhig ist. 

Das große Hallentor, das für einige Pferde bei uns im Stall ein gefährliches „schwarzes Loch“ zu sein scheint, ist für Konrad plötzlich auch Thema. Ebenso der Springbrunnen am Badeteich. 

Aber was soll’s. Wir üben. Wir schauen. Die Kobolde, die uns besuchen, werden eines Tages wieder weiter ziehen.
Im Grunde war ich selbst sehr überrascht, wie ruhig sich Konrad beim Anreiten gezeigt hat. Jetzt gab es dann aber doch ein paar Tage, wo ich schon gesattelt hatte, dann aber doch auf das Reiten verzichtet habe. Konrad schafft und meistert zwar jede gestellte Aufgabe, aber ich möchte immer, dass er das auch relaxed tut. ich möchte, dass er bewusst nachdenkt und nicht einen „Zufallstreffer“ nach dem anderen schafft. 

Die Herausforderung für mich war es, Konrad sämtliche Aufgaben hinsichtlich Konzentration und Achtsamkeit, Genauigkeit und Präzision möglichst schmackhaft zu machen. Dafür haben wir aber auch Tage, wo wir das tun, was ihm besonders gefällt. In der Handarbeit spielen wir mit der Versammlung. Das geht Konrad so leicht von der Hand, dass ich aufpassen muss, nicht das Falsche zu loben. 


Für Konrad ist alles im Galopp super einfach. Seine Lieblingsübung ist das Angaloppieren aus der Schulparade. Aus dem Galopp in die Schulparade zurück ist noch ein wenig schwer. Langsam wird auch Versammlung im Trab für Konrad spannend, allerdings „passiert“ dann schon mal ein Terre a Terre Sprung aus dem Nichts. Ich lobe und ernte was ich säe. Beim nächsten Versuch den Trab aus fleißigem Vorwärts allmählich zu versammeln – alles übrigens an der Longe – wiederholt er seine kleinen Sprünge. Hier muss ich sehr achtsam aufpassen, dass ich Konrad nicht frustriere, wenn ich einmal lobe, dann aber doch ein anderes Ergebnis möchte. 

Die Sache mit der Eifersucht

Je länger Konrad und ich „zusammen“ sind, umso schlimmer ist auch die Eifersucht. Hier kommt auch Amena ins Spiel. Ich war ja der Meinung, die beiden Lipizzaner würden sich sofort anfreunden. Zwei Jahre Altersunterschied liegen zwischen den beiden, sie haben sogar eine Zeit lang die selbe „Männer WG“ in Piber bewohnt. Konrad erkennt zweifelsohne alle Lipizzaner. Drei Damen aus Piber haben bei uns am Sonnenhof gewohnt und alle waren sofort für Konrad interessant. Der Jungen Beti (Betalka XI) aus Slowenien hat er sogar einmal den Hof gemacht (für fünf Minuten, danach hat er sich sehr zum Leidwesen der Stute für einen Schmetterling interessiert). Amena wurde jedoch beflissentlich ignoriert. 

Amenas Ankunft hat den Konrad ordentlich denken lassen. Beide verstehen sich aber gut, wenn wir etwas zusammen unternehmen. Wir gehen mit den Buben spazieren oder sie spielen gemeinsam draußen. Beim Spazierengehen „schleichen“ die beiden unmotiviert vom Hof, der Rückweg wird mit Piaffen, Schulparaden und Levaden in Sichtweide der anderen Herden von beiden Herren „kommentiert“. Jeder will der Schönste sein – und jeder die Nummer eins. 

Auf der Weide teilt sich die Diätgruppe eine Heuraufe mit den „Nordis“ (wie Wallach-Gruppe „Nord“ liebevoll bei uns genannt wird). Amena wohnt im „Norden“, Konrad ist eben auf Diät. 

Wehe man nähert sich der Heuraufe und wird als Mensch von Amena mit einem sanften Wiehern begrüßt. Noch schlimmer, wenn man gerührt den Gruß des grauen Herzensbrechers erwidert. 

Dann ist mit Konrad nicht mehr zu sprechen. Viele Schmeicheleien und gutes Zureden machen die Sache vielleicht wieder wett. Würde ich an dem Tag dann noch „langweilig Longieren“ auf den Stundenplan setzen, dann wäre die Enttäuschung noch größer. 

Also feiern wir unsere Reiteinheiten, üben mittlerweile ein wenig in Schritt, Trab und Galopp und haben uns sogar auf unsere ersten Ausritte gewagt. 

Die Spielgruppe

Wenn der Amena aufsteht morgens, dann wird erstmal zum Klang des Futterwagens piaffiert. Der „Service“ ist ja schließlich sehr langsam, da geht man dem Hafer am besten entgegen. Routinen werden überhaupt streng eingehalten. Damit hat Amena das „Personal“ des Öfteren gestresst. Amena wohnt in einer Paddockbox, 12 Stunden am Tag verbringt er jedoch am Paddock Trail – und zwar ausgiebig. Da wird gespielt, getobt, gefressen, gekrault – und Abends, wenn der Amena heimkommt, muss man sich sofort ins Spänebett werfen. Manch ein besorgter Einsteller hat das arme Tier dann aufgeweckt und prompt mit einem Fieberthermometer im Allerwertesten „verwöhnt“. 

An dieser Stelle muss ich sagen: Wir haben so eine tolle Stallgemeinschaft! <3 

Wie es sich für einen jungen Mann gehört, kann Amena sämtliche Autos am Klang voneinander unterscheiden. Er weiß genau, ob „seine“ Julia vorfährt, oder ob ich parke. Er weiß auch genau, wann die hübschen Lipizzanerstuten Austria und Bartonia Reitstunde haben. Spätestens um 11 Uhr marschiert er am Vormittag zur Tränke – er möchte dann unbedingt auch abgeholt werden. 

Verblüffend einfach

Die Ausbildung von Amena ist wie bei Konrad – ein Hochgenuss. Julia Kiegerl hat mich in diesem Jahr so wunderbar unterstützt. Beim Kurs mit Bent Branderup gab es bald einen Amena Fanclub, so fein war die Kommunikation bei den gemeinsamen Haltparaden aus dem Trab, dem spielerischen Versammeln im Kruppeherein und der sanften Führung durch Julia. 

Ich muss gestehen – ich saß mit stolz geschwellter Brust im Publikum. 

Ein wenig ernüchternd war der erste Versuch in Handarbeit von außen geführt mit Amena. Konrad fand Handarbeit erst mit fünf Jahren recht spaßig. Amena war davon sofort begeistert – und er wächst und wächst und wächst. Leider sind bei mir keine Wachstumsschübe mehr zu erwarten, aber Amena wird mich sicherlich unterstützen. 

Körpersprache und Spiegelung sind für diese beiden Lipizzaner ein Leichtes. Man macht es vor – sie machen es nach. Daher gilt: Weniger ist mehr – wir wollen die Buben ja nicht langweilen, aber auch nicht überfordern. 

Vor einem Jahr sah Amena noch sehr schlacksig aus, ein Lulatsch, der erst in sein Fell wachsen musste. Das ist ihm heuer wohl gelungen. Selbstbewusst ist er auf der Weide unterwegs und mit Stolz meistert er Bodenarbeit, Handarbeit und Longieren sowie erste Versuche mit dem Crossover. Ans Reiten denken wir trotzdem noch nicht. Amena wird im März erst vier Jahre alt – und wenn er Abends in die „Kissen“ fällt, dann sieht man ihm die Kindlichkeit noch an. 

Ich bin jeden Tag glücklich, wenn ich die beiden Schimmel begrüße. Sie sind unterschiedlich im Charakter, jedoch so klar und herzlich dem Menschen gegenüber – es fällt unheimlich leicht, sein Herz für die Lipizzaner zu öffnen. 

Genug erzählt – ein paar Eindrücke von unserem letzten Jahr gibt es auch in bewegten Bildern (immer spontan im Stall festgehalten am Handy)…

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