Miteinander statt gegeneinander – wenn wir mit dem Pferd zusammen sind, dann sehnen wir uns nach Harmonie und wünschen uns ein Miteinander. Nicht immer ist dieses Miteinander jedoch zwischenmenschlich in der Stallgemeinschaft umzusetzen.
Im Stall treffen die unterschiedlichsten Menschen aufeinander. Jeder hat seine eigene Vorstellung wie Reiten so funktioniert. Unzählige Bandenexperten und Intrigen-schmiedende Stallzicken tummeln sich am Putzplatz und auf der Tribüne. Jeder will doch die beste Aussicht auf das buckelnde und bockige Pferd in der Halle haben. Schließlich braucht man ja wieder neuen Gesprächsstoff. Und dieser neue Trainer, was der schon wieder redet, sowas hat man ja noch nie gehört. Es wird weiter getuschelt. Diese Beschreibung ist bitte mit einem großen Augenzwinkern zu lesen. Vermutlich ist man allerdings bereits in eine solche Situation geraten oder kennt sie aus Erzählungen.

Gegeneinander statt miteinander macht krank

Uns sollte jedoch bewusst sein – lästern macht krank und unzufrieden und es gibt kaum eine größere Garantie, um die Stallatmosphäre langfristig zu ruinieren, als schlecht über andere Stallkollegen und Stallkolleginnen zu reden.

„Wer schlecht über andere redet, hat nichts Gutes über sich zu sagen“.

Lebensweisheit

„Hast du schon gehört…?“ – So oder so ähnlich beginnen die meisten Lästereien. Häufig wird unter Freunden, Kollegen oder Bekannten getuschelt und gelästert. Viele von uns waren selbst schon Opfer und wissen welch unangenehme Folgen Lästereien haben können. Trotzdem fallen wir immer wieder in die Lästerfalle. Allerdings – zu viel Klatsch und Tratsch ist Gift für die Seele. Lästern ist also nicht nur schädlich für die Person über die geschimpft wird, sondern auch für die Personen, die lästern. 

Warum ist Gegeneinander so ungesund?

Eine gemeinsame Abneigung gegen eine bestimmte Person kann sich zwar positiv auf die Beziehung der „Laster-Schwestern“ auswirken ABER die Nachteile überwiegen!  Wir richten unseren Fokus während wir lästern auf das vermeintlich Negative. Somit schulen wir unsere Wahrnehmung im Sehen von Negativem, Hässlichem und Schlechtem. Wer will das schon? Weiteres rauben einem negative Gedanken und Lästereien viel Energie die man besser anderweitig investieren könnte. 

Freude verdoppelt sich, wenn man sie teilt - mit negativer Energie verhält es sich meist leider genauso.
Freude verdoppelt sich, wenn man sie teilt – mit negativer Energie verhält es sich meist leider genauso.

Das Paradoxe beim Lästern ist also, dass es vor allem demjenigen schadet der über andere ablästert. Egal ob diese Person es „verdient“ hat. Jedes einzelne negative Wort hat Einfluss auf uns. 

Alles was wir sagen, fällt auf uns selbst zurück. Wir Menschen neigen dazu anzunehmen, dass eine Person die Eigenschaften, die sie anderen Personen zuschreibt auch selbst besitzt. Häufig werden also Menschen die gerne ‚Klatsch und Tratsch‘ erzählen selbst als unsympathisch und nicht vertrauenswürdig beschrieben. 

„Sei die Art von Mensch der du begegnen willst“!

Lebensweisheit

Miteinander das Gute sehen!

Man sollte üben sein Augenmerk auf das Schöne, Besondere und Gute zu richten. Mach Komplimente und übe dich im Wertschätzen und nicht im Bewerten anderer. 

Aber was tun, wenn der Gesprächspartner mal wieder lästern will? Am besten entgegnet man:  

„Warum erzählst du mir das“? 

oder: 

„Das solltest du besser mit ihm/ihr besprechen“. 

Damit signalisierst du, dass du da nicht mithineingezogen werden möchtest.

Muss ich mit jedem befreundet sein? 

Nein! Man muss nicht zwanghaft mit jedem im Stall befreundet sein! Es ist okay den einen mehr den anderen weniger sympathisch zu finden, aber man sollte versuchen mit allen gut auszukommen! 

Meistens beruht Sympathie auf Gegenseitigkeit. Man kann sein Gegenüber nicht ändern, aber man kann seinen eigenen Umgang mit diesem Menschen ändern. Ein guter Anfang! 

Versuche deine Stallkollegen und Stallkolleginnen bzw. Mitmenschen mit der ‚objektiven Brille‘ zu sehen. Jeder hat seine Qualitäten! Gib jedem eine Chance! 

Es ist wichtig während man gemeinsam Zeit mit dem Pferd verbringt fokussiert zu bleiben! Schließlich wollen wir ja auch, dass unser Pferd bei der Sache ist! Als guter Pädagoge muss man mit gutem Beispiel voran gehen.
Es ist wichtig während man gemeinsam Zeit mit dem Pferd verbringt fokussiert zu bleiben! Schließlich wollen wir ja auch, dass unser Pferd bei der Sache ist! Als guter Pädagoge muss man mit gutem Beispiel voran gehen.

Häufig spielt auch Neid (davor ist niemand gefeit) eine große Rolle ob man jemanden mag oder nicht. Versuche herauszufinden was dich ärgert. Wie könntest du das ändern? Vielleicht überwindest du deinen Stolz und fragst die Person sogar um Hilfe um deine Ziele zu erreichen. 

In großen Ställen finden sich viele unterschiedliche Reitweisen wieder. Kein Grund um sich nicht auch ‚fächerübergreifend‘ zu verstehen und auszutauschen! Alle können von vielen unterschiedlichen Erfahrungen und Ideen profitieren! Auch wenn man sich hinsichtlich der Pferde nicht einig wird, vielleicht gibt es ja andere Gemeinsamkeiten die euch verbinden. Reisen, Musik oder andere Hobbys? Ich selbst habe eine sehr gute Freundin die aus der Springreiterei kommt. 

Fokussiert bleiben! 

Wir sollten und auf das Wesentliche konzentrieren. Warum sind wir eigentlich im Stall? Ich behaupte jetzt mal um eine gute Zeit mit unseren Pferden zu verbringen. Das sollten wir uns immer vor Augen halten. Energie, Kraft und Leidenschaft unseren Zielen widmen. 

Leider lassen wir uns viel zu oft ablenken. Schon während wir unser Pferd von der Koppel holen tippen wir noch ein SMS. Beim Putzen tratsche wir mit einer Stallkollegin und beim Reiten läutet dann ständig das Handy. Warum wundern wir uns dann, wenn es beim Reiten wieder mal nicht so läuft wie erhofft?
Wir sollten nicht nur auf einen wertschätzenden und achtsamen Umgang mit unseren Stallkollegen und Kolleginnen achten, sondern auch mit unseren Pferden. Schließlich wollen wir doch gemeinsam eine tolle Zeit miteinander verbringen. Es ist wichtig fokussiert zu bleiben und nicht immer alles gleichzeitig zu machen. Der Fokus macht das Leben leichter.

Konfuzius hat schon vor 2500 Jahren gesagt: „Wer zwei Hasen gleichzeitig jagd, wird keinen davon fangen!

Konfuziuzs

Miteinander – eine schöne Zeit verbringen!

Leider haben vor allem Reiter einen schlechten Ruf in puncto wertschätzendem Umgang miteinander. 

Wir alle wollen eine schöne Zeit im Stall bei unseren Pferden verbringen. Stress hat man meistens im Alltag schon genug. Ein gutes Stallklima trägt wesentlich dazu bei, dass sich alle wohl fühlen. Wir sollten uns gegenseitig das Leben nicht schwerer machen als es ohnehin manchmal schon ist.

Ein umsichtiger und respektvoller Umgang miteinander ist das A und O für eine gute Gemeinschaft. Ein freundliches Lächeln kann oft schon Wunder wirken um die Stimmung zu verbessern. 

Zum Glück sind viel von uns auch hilfsbereit. Freundlicher Weiße ertragen wir kleine Unbequemlichkeiten, um anderen einen Gefallen zu tun, oft auch ohne eine direkte Gegenleistung zu verlangen. Das ist auch gut so! So funktioniert ein gutes Miteinander! 

Anna freut sich über meine bestandene Prüfung. Was für ein schöner Moment.

Problematisch wird das Ganze aber, wenn es zwanghaft wird anderen gefallen zu wollen. 

Ein ausgewogenes Geben und Nehmen in einer guten Stallgemeinschaft ist Voraussetzung für ein gutes Miteinander. 

Gibt es mehrere Trainer im Stall ist der Konkurrenzkampf meist sehr hoch. Es wird versucht den anderen schlecht zu machen und den neuen Einsteller für sich zu gewinnen. Doch es geht auch anders! 

Anna Eichinger und ich stehen seit einigen Jahren im gleichen Stall und arbeiten beide hauptberuflich als Trainerinnen. Wir pflegen nicht nur einen guten Umgang miteinander, sondern tauschen uns auch regelmäßig über spannende „Fälle“ aus, wir sind sehr gut miteinander befreundet und ein tolles Team. Es gibt keine Eifersucht oder die Angst einem einen Schüler wegzuschnappen. Im Gegenteil wir beide freuen uns, wenn wir mal auf Urlaub, Tour oder krank sind unsere Schüler in besten Händen zu wissen, wenn wir uns gegenseitig vertreten. Wir können uns auch von Herzen über die Erfolge und Fortschritte der Anderen freuen.

Viktoria Portugal ist die Dritte in unserem „Einfach Reiten Team“, sie ist jedoch in Wien zu Hause. Wir drei sind ständig miteinander in Kontakt und unterstützen uns gegenseitig. Organisieren gemeinsam Kurse und Workshops. Es ist schön Teil eines so tollen Trainerteams zu sein in dem wir offen und ehrlich miteinander kommunizieren. 

Miteinander statt gegeneinander: Mit gutem Beispiel voran!

Da jeder von einem guten Stallklima profitiert sollte sich jeder selbst an der Nase packen und mit gutem Beispiel voran gehen. Versuche deinem Gegenüber Wertschätzung zu kommunizieren indem du zuhörst, während des Gesprächs Blickkontakt haltest, nicht auf dein Handy schaust, und dein Gegenüber ausreden lässt. Biete deine Hilfe an, wenn du merkst jemand könnte sie gebrauchen. Vielleicht beim Verarzten einer Wunde. Denke immer daran:

„Wie man in den Wald hineinruft so schalt es zurück“!

Lebensweisheit

Wenn wir versuchen jedem mit einem Lächeln zu begegnen und uns dem Positiven zuwenden werden wir eine noch schönere Zeit im Stall mit unseren wundervollen Pferden verbringen. Auf ein harmonisches Miteinander! 

Miteinander statt Gegeneinander – zum Weiterlesen