Wann ist ein Pferd ein Pferd? Und welches Futter für welches Pferd? Spannende Theorievorträge, offener und kritischer Austausch und viel Lehrreiches gab es auf der heurigen Sommerakademie der Ritterschaft der Akademischen Reitkunst.

Entdecke die Reitkunst…

Meine liebe Kollegin Eva und ich sind diesmal aus Graz angereist. (Unsere Silke haben wir heuer zum Akademischen Austausch nach Namibia geschickt). Motiviert von Eva haben wir uns in Humlebaek bei der Louisiana Gallerie gleich mal mit Kunst auseinandergesetzt. Skulpturen, Gemälde und Installationen indoor und outdoor brachten uns zum Staunen. Vielleicht war es der perfekte Einstieg in die heurige Sommerakademie. Vielleicht weil es in Punkto Individualität und Kunst zum Nachdenken anregte. Die nächste Station führte uns jedenfalls zum großen Ganzen. In der Gemeinschaft der Akademischen Reitkunst ist es ein Genuss den internationalen Austausch und die große Begeisterung für die Reitkunst hautnah zu erleben.

Eine neue Tradition…

Ein Pferd ist untrennbar mit der Akademischen Reitkunst verbunden. Im letzten Jahr konnten wir ihn auf der Sommerakademie noch mit Bent Branderup gemeinsam tanzen sehen. Heuer war „Hugin“ nicht mehr dabei. Unweit von seinem Paddock präsentierte Bent eine Skulptur von Hugin. Wer Lindegaard besucht kommt ab sofort nicht umhin Hugin zu besuchen und über die Nase zu streicheln. Als Bent das Leintuch lüftete war dies ein unglaublich berührender Moment. Wer Bent und Hugin einmal gemeinsam gesehen hat, wird die Harmonie zwischen den Beiden wohl nie vergessen.

…und bewährte Rezepte

Harmonie gab es dann auch in der anschließenden Abendarbeit. Kathrin Tannous und Bent Branderup präsentierten die Arbeit mit ihren Pferden. Wenn man den Beiden nur sehr selten über die Schulter schauen kann ist es doch erstaunlich und wundervoll zugleich der Entwicklung der Paare zu folgen. Bents Nachwuchspferd „Dorado“ hat mit seinem Charme das Publikum ebenso rasch für sich gewonnen wie der vor Selbstbewusstsein strotzende „Zarif“. Im Anschluss wurde auf das bewährte Konzept des „Pizzaabends“ zurückgegriffen. Für Eva und mich (weit angereist aus dem Süden und große Italien-Fans) immer wieder verblüffend Salat und „Hendl“ auf einer Pizza zu finden. (Und nein, ich meine nicht Ruccola). 😉

Du bist was du isst…

Von der dänischen Pizza zur Ernährung der Pferde. Am Donnerstag wurde uns ein überaus spannender Vortrag von Cécilia Müller serviert, Professorin und Expertin für Pferdefütterung aus Stockholm. Wie sind Fütterung und Pferdegesundheit miteinander verbunden. Was ist natürliches und was unnatürliches Fressverhalten? Und was passiert im Pferdemaul, im Magen und in den Därmen eigentlich genau? Cécilia Müller zeigte uns genau wie man den Futterbedarf der Pferde exakt berechnen kann. In ihren zahlreichen Studien werden Heu, Heulage und Silage genau unter die Lupe genommen. Und: auch die Alten Meister sind mit ihren Futterempfehlungen durchaus aktuell: So empfahl Guérinière Heu und Stroh, Hafer allerdings in Maßen. Er unterstrich außerdem die Futtermenge an die Größe, Temperament und Leistung der Pferde anzupassen und warnte vor Hufrehe-Erkrankungen bei fettleibigen Pferden.

Das Fazit: Viel Rauhfutter für das Pferd und viel Analyse für den Menschen (dieser sollte über Energie und Proteingehalt des Rauhfutters bescheid wissen). Konzentrate (Müsli, fertige Futtermischungen etc.) sind am Speiseplan nicht notwendig, Mineralstoffmischungen, sowie die Mischung aus Weidehaltung und ausreichend Rauhfaser sind absolut ausreichend.

Verständlich, dass nach so viel Theorie wieder mal der Magen knurrte. Beim anschließenden Barbecue stand auch der internationale Austausch mit vielen Gleichgesinnten im Zentrum rund um das Feuer. Leider gab es heuer kein Dessert der fabelhaften Celina Harich.

Train the trainer…

Spannend wurde der Freitag. Jossy Reynvoet, Annika Keller, Ylvie Fros, Kathrin Wallberg, Kathrin Tannous und Pia Haas, sowie Christofer Dahlgren luden zum aktiven gegenseitigen Austausch. Jossy zeigte eine Unterrichtseinheit mit Fokus auf Körpersprache, Annika ließ ihre Erkenntnisse aus Ostheopathie und Biomechanik in einen äußerst feinfühligen Unterricht einfließen, Ylvie zeigte uns Bilder aus dem Centered Riding, um den Sitz zu verbessern. Pia sorgte für Balance und das richtige Körpergefühl, um durch Nuancen auf den Punkt in der Bodenarbeit zu kommen. Auf den Punkt kam natürlich auch Christofer, der durch sein Feingefühl jedes Pferd „mal auf die Couch legt“ und bei der Arbeit mit dem Pferd vor allem die Psyche im Fokus hat. Es war wundervoll so viele verschiedene Ansätze an einem Tag zu sehen.

…in the brainpool

Heuriges Thema für den Brainpool der Ritterschaft: Schulterherein. Im neuen Setting wurden zuerst Problemstellungen (Reiter, Pferd, Pädagogik usw.) gesammelt und in kleinen Einzelgruppen erörtert. Bei der gemeinsamen Präsentation konnten alle mitdiskutieren und Fragen stellen. Einen Schluss durch die Rechnung machte uns hier nur der Gong zum Essen – ich denke wir hätten noch ewig weiter diskutieren können, schließlich ist das Schulterherein einer der wichtigsten Inhalte, aber eben auch mit vielen Hürden und Stolperfallen.

Vom Wappenträger zum Meister…

Am Samstag wurden die neuen Mitglieder der Ritterschaft begrüßt. Aber auch „alte“ Mitglieder hatten was zu Feiern. Ich freue mich für Laura Haitzmann und Andrea Harrer aus Salzburg über deren Updates (Squire und Knight). Ein weiterer Höhepunkt: Ein neuer Meister wurde gefeiert. Marius Schneider aus Deutschland nahm als zweiter Meister an der Tafel Platz! Der Applaus hat glaube ich Minuten gedauert! 🙂

Die Tage in Dänemark sind regelrecht verflogen. Ich hatte eine wundervolle Zeit und kann es kaum abwarten meine liebe „academic family“ so rasch wie möglich wieder zu sehen!

Ein großes Dankeschön an Bent Branderup, Kathrin Tannous und Michelle Wolf für die heurige Sommerakademie!

Wie immer hat Bianca Grön für eine fabelhafte Video Zusammenfassung gesorgt.