Zusammenpassen – das ist wie Susi und Strolch, Max und Moritz, Pinkie und Brain, Tom und Jerry, Hinz und Kunz, Cinderella und der Prinz (warum hatten die eigentlich nie Namen?), die Schöne und das Biest….zusammenpassen ist perfekt – aber ist es das wirklich? 

Zusammenpassen – wer entscheidet das eigentlich? 

Ziemlich genau vor vier Jahren bin ich von einem Wochenendlehrgang heim gekommen und habe mich gefreut, da mein Liebster eine gesunde Suppe für mich gekocht hatte. Die musste aber noch warm werden und so habe ich mich vor den Computer gesetzt und ein bisschen gestöbert. Immer wieder hatte in in den letzten Jahren die Website des Bundesgestüts Piber durchforstet und meine Augen offen gehalten. Ich war völlig überrascht, als ich das erste Bild von Conversano Aquileja I aka Konrad gesehen habe. Ich war sofort verliebt und wild entschlossen. Das ist mein Pferd. Er passt zu mir. 

Das hatte ich so entschieden und mir in den Kopf gesetzt. Eine sehr einseitige Entscheidung. Würden wir so bei der menschlichen Partnerwahl verfahren, es gäbe wohl hitzige Debatten. 

Ich bin damals nach Piber gefahren, es war der Ostersonntag und Konrad hat „Nein“ gesagt. Er hat sich genau gar nicht für mich interessiert. War nicht unfreundlich, fand es aber sehr befremdlich, als ich ihn berühren wollte. Auch wenn man auf die 40 zugeht, hat man noch die romantische Vorstellung, dass es uns beide trifft wie der Blitz, aber hinsichtlich der Frage – ob wir zusammenpassen – da war sich Konrad noch nicht so sicher. 

Ich bin geknickt heimgefahren. Erstens war Konrad für jemand anderes noch reserviert, ich war also auf der Warteliste. Und wollte ich auf der Warteliste sein, auch wenn ich mir ob Konrads Reaktion auf mich etwas unsicher war. Vielleicht konnte ich mich auch noch nicht so freuen, denn ich wusste ja nicht, ob der Märchenprinz letztendlich mein sein würde. 

Zusammenpassen – wir haben ja gesagt

Konrad kam von Piber direkt in die Klinik zur Kastration und dort sind zum Glück alle Dämme gebrochen. Ich glaube er hat gefühlt, wie sehr ich auf ihn gewartet habe. Wie sehr ich gebangt hatte, ob alles gut geht. Wir waren dann sofort ein Herz und eine Seele. Konrad war mir gegenüber neugierig und aufgeschlossen. Er hat sofort „ja“ gesagt und war nicht schüchtern. Wir konnten uns kennen lernen und haben festgestellt – wir passen wirklich sehr gut zusammen. 

Happy End und sie ritten gemeinsam in den Sonnenuntergang. Dann wäre das aber ein sehr sehr kurzer Blogeintrag gewesen. 

Zusammenpassen – kann ich ein Pferd hergeben? 

Als ich 16 war starb völlig überraschend meine große Trakehnerliebe „Wiesenkobold“, genannt Kobus. Kobus war mein ein uns alles. Dass ich aus dem heiss ersehnten Urlaub am Strand zurück komme und eine leere Box finde, das war mit dem Schicksal so nicht abgemacht. Ich war am Boden zerstört und habe nie aufgehört, dieses Pferd zu vermissen. 

Ich weiß noch, dass ich Rotz und Wasser geheult habe, als ich wieder geritten bin. Ich wollte nicht mehr reiten. Ich wollte einfach nur meinen Freund zurück haben. Mein damaliger Trainer hat mich dann neu verkuppelt, mit einem Schimmel namens Kristall. Kristall war riesig. Kristall konnte man niemals vom Boden aus erklimmen. Er war ein Berg – ein Fels in der Brandung und ein absolut beflissener Mitarbeiter. 

Zum ersten Mal in meinem Leben kam ich zum „Reiten“. Das meine ich genau so, wie ich es schreibe. Wenn ich davor stundenlang im Stall verbringen konnte, herum „tegerln“, wie man so schön sagt – dann bin ich hier wirklich zum Reiten gekommen und wieder gefahren. 

Kristall war unheimlich höflich und lieb, wir haben uns gut verstanden, aber wir wurden nie mehr als sehr, sehr gute Kollegen. Wie am Arbeitsplatz hatten wir auch Spaß, wir konnten miteinander lachen und uns auch miteinander freuen. Ich habe mich sehr sicher auf dem sanften Riesen gefühlt und wahnsinnig viel gelernt. Serienwechsel, Seitengänge – alles überhaupt keinThema. Aber es kam zu keine Affäre am Arbeitsplatz. Wir blieben immer höflich und ich versorgte ihn auch freilich immer gewissenhaft. Was wäre wohl gewesen, wenn ich dieses Pferd gekauft hätte? Meine damaligen Zukunftspläne sahen vor: Schule beenden, fürs Studium aus Graz nach Wien und viel zu viele Träume, wie Schauspiel, Journalismus, Theaterwissenschaft, Psychologie und Ethnologie unter einen Hut zu bringen. 

Ich bin sehr froh, dass Kristall nicht mein Pferd war, seine Besitzerin beruflich im Ausland war, solange ich mich als Mitreiter um ihn gekümmert habe. Vielleicht wäre Kristall als „mein“ Pferd nicht mit gekommen nach Wien. Einfach, weil wir doch nicht so zusammen gepasst haben, wie es sich für eine langjährige Beziehung gehört hätte. Ich hatte so aber das Glück, mich gar nicht der Frage stellen zu müssen, ob ich ein Pferd verkaufen würde. 

Nicht zusammenpassen 

Barilla kam wenige Jahre später in mein Leben. In Wien habe ich festgestellt, dass mein Leben einfach nicht ausgefüllt ist wenn ich nicht von Pferden umgeben bin. Damit bin ich auchwachsen, damit bin ich einfach tief verwurzelt. Ich passe nicht mit der Stadt zusammen, ich passe aufs Land. Punkt. Und dann traf ich eben Barilla. Die verkauft wurde, weil es eben auch nicht passte. Ich habe mich sofort auf ihr wohl gefühlt und habe mich einfach so in sie verliebt. Und diese Liebe wurde häufig auf eine sehr harte Probe gestellt. Barilla und ich waren uns sehr ähnlich, wir konnten ziemlich gut Feuer spucken, wenn uns etwas nicht gepasst hat. Und häufig waren wir der Meinung, dass das, was der andere tut, eben auch nicht passt. 

Wir sind aneinander verzweifelt. Ich wußte nicht weiter und sie wusste es mit mir ebenso wenig. Wir haben von außen betrachtet vielleicht überhaupt nicht zusammen gepasst. Ich habe einmal wirklich sogar ernsthaft überlegt, ob ich sie verkaufe. Das war das erste und einzige Mal in meinem Leben. Ich habe damals sogar Fotos gemacht, überlegt sie zu inserieren. Und kaum hatte ich mir den Gedanken erlaubt, war die Sache wieder komplett anders. 

Ich hatte mir erlaubt, mir einzugestehen, dass wir vielleicht doch nicht so gut zusammen passen, wie ich mir das erhofft hatte. Dann habe ich den Druck raus genommen. Der Druck war ja nicht alleine, dass ich ein Pferd ausbilden wollte, korrekt über den Rücken zu laufen. Der Druck war ja auch nicht alleine auf Leistung bezogen – aber wenn man den Leistungsanspruch auch noch auf das Fundament „Liebe“ stellt – und einfach immer eine perfekte Harmonie zwischen den Paaren erwartet, dann darf man sich nicht wundern, wenn man ständig Liebeskummer hat. 

Jeder darf mal Fehler machen. Es war absolut klar, dass Barilla auch mal auf der Koppel von mir davon gehen konnte. Und es war mir auch erlaubt zu sagen: „Ich weiß nicht, ob wir das miteinander schaffen. Ich weiß nicht, ob ich gut genug für dich bin“. 

Ich hätte es nie übers Herz gebracht sie zu verkaufen, auch wenn ich sie manchmal auf den Mond schießen hätte können. Letztlich habe ich gelernt, dass nicht Barilla der Astronaut in unserer Beziehung war, sondern ganz viel ja an mir lag. Ich habe gelernt, wie ich als Ausbilder zu Barilla passen könnte und wie ich als Freundin zu Barilla passe. 

Gerade weil wir nicht immer zusammengepasst haben, habe ich am meisten über mich als Ausbilder gelernt und letztendlich einen Weg gefunden, auf dem ich mich zum ersten Mal sicher fühlte, auch ohne Kompass. Der Kompass war schlichtweg Vertrauen. Vertrauen in den Weg, Vertrauen in mein Pferd und nach und nach auch Vertrauen in mich. 

Anders zusammenpassen 

Es passt wie die Faust aufs Auge – nun diesen Spruch muss man sich mal wirklich auf der Zunge zergehen lassen. Ich will keine Faust im Auge haben, aber ein hüpfendes Herz, wenn ich meine Pferde ansehe. Zu jedem meiner Pferde habe ich eine andere Beziehung. Pina wurde eine wichtige Verbündete, sie wurde ein wichtiges Familienmitglied, aber am besten hat sie wohl mit Tabby zusammengepasst. Und auch das ist eine wichtige Frage, wenn ich ein neues Familienmitglied dazu hole. Tabby und Pina waren tatsächlich wie die Faust und das Auge. Unzertrennlich und teilweise auch unheimlich genervt voneinander. Pina, die niemals die Contenance verliert und eine „Dame“ ist, hat öfter mal die Augen überdreht, wenn Tabby Verrücktheiten im Feuermantel serviert hat. Tabby hat umgekehrt niemals eine üble Laune von Pina nachgetragen. Ein Herz und eine Seele wäre auch total falsch formuliert, denn die zwei sind so unterschiedliche Typen, die unterstreichen: Gleich und gleich gesellt sich gern – das muss nicht immer zutreffen, denn auch Gegensätze ziehen sich magisch an. 

Tabby und ich haben nach Startschwierigkeiten von 6 Monaten beiderseitig beschlossen, dass wir sehr gut zusammen passen. Konrad und Amena sowie Mandrake haben zu meinem Glück ganz schnell festgestellt. „Es passt“. 

Und manchmal darf man auch auf beiden Seiten feststellen, dass es nicht perfekt passt.
Und dann ist die Frage – soll man es passend machen? Was ist fair? 

Ich habe mal den Ratschlag gelesen, wenn man Ambitionen hat, dann solle man sich das geeignete Pferd dafür suchen. Meine erste Reaktion auf diese Aussage, kann ich als sehr „vermessen beschreiben“. 

Zusammenpassen: Nach diesem Kriterium aussuchen? 

Ich bin heute ein anderer mensch als 1997. Und trotzdem habe ich in Konrad einen Charakter an meiner Seite gefunden, der Kobus sehr ähnlich ist. Mein Ich von 1993 hätte mit meinem Haflinger wohl kein Interesse an der Akademischen Reitkunst gehabt. Wir waren im Gelände zuhause. Und mein ich von heute hätte mit dem Haflinger von Damals vermutlich weit weniger Verständigungsprobleme. 

Ja, es macht Sinn, das Zusammenpassen auch auf lange Sicht auf Herz und Nieren zu prüfen. Aber es darf schon auch ein bisschen hüpfen, das Herz. Und wenn ich mit einer „Promenadenmischung“ später gerne gemeinsam wachse und lerne, dann darf ich das ebenso – dafür brauche ich kein „besser veranlagtes“ Pferd. 

Zusammenpassen: die richtigen Fragen stellen 

Wenn ich nach einem Pferd Ausschau halte, dann sind mir folgende Kriterien wichtig: 

  • Ich möchte ein physisch und mentales gesundes Pferd 
  • Wenn ich sie nur alle haben könnte….dann ist mir die Rasse egal. 
  • Warum ich mich für die Lipizzaner entschieden habe? Nun, weil sie bei uns direkt ums Eck in der Kinderstube Pibers aufwachsen und dies meiner Meinung nach die beste Aufzucht auf der ganzen Welt ist. Genügend Fohlen und erfahrene Mutterstuten in den ersten Monaten, danach Großwerden in größeren Gruppen und vor allem – die Sommer auf der Alm. 
  • Ich möchte ein Pferd, das sich über seine Fähigkeiten freut und über dessen Fähigkeiten ich mich freuen kann. 
  • Ich möchte ein Pferd, das nicht für mich über physische oder mentale Grenzen gehen muss. 
  • Ich möchte ein Pferd, das Freude hat, die Dinge mit mir zu lernen, die auch meine Begeisterung entfachen. Somit würde ich ein talentiertes Springpferd vermutlich unglücklich machen, denn ich möchte nicht über Hindernisse springen. 
  • Ich möchte ein Pferd, das sich mit mir wohl fühlen kann.
  • Und daher ist es natürlich auch immer wichtig zu reflektieren, wer war ich Gestern, wer bin ich heute und wo möchte ich hin. Warum wollte ich überhaupt reiten und was liegt dem Wunsch mit dem Pferd zusammen zu sein und zu passen zu Grunde? Manchmal wird es auch notwendig sein, zu hinterfragen was stärker sein muss, die eigene Ambition oder die Liebe zu diesem einen Pferd? Das wird auch Antwort geben, ob wir zusammen passen oder nicht! 

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